Tag 151: Messina – Onebillionrising

B: Heute reisen wir ab von Giardini-Naxos – wir waren tatsächlich schon wieder 2 Wochen auf einem festen Platz, wie schnell die Zeit vergeht! Es scheint uns gut zu tun, immer wieder zu verweilen und es gab ja auch viel zu sehen hier.

Mein Ziel heute ist eine Onebillionrising-Veranstaltung in Messina und Martin ist bereit mich dorthin zu begleiten, obwohl es etwa 100km Umweg zu unserem nächsten Ziel bedeutet. Bis gestern dachte ich, das wird nichts dieses Jahr, denn auf der Eventliste der Onebillionrising-Seite war vor ein paar Tagen noch kein einziges in Sizilien eingetragen. Gestern dann 5! Stück. Das nächstliegende findet in Messina um 16 Uhr auf der Piazza Duomo statt. Onebillionrising steht für Eine Billiarde Menschen erheben sich und tanzen gegen Gewalt gegen Frauen. Auf der ganzen Welt in jedem Kontinent wird getanzt. Und das jährlich am 14.2. Seit ich vor 2 Jahren davon hörte, bin ich ein Fan! 2013 habe ich mit Frauen und Männern in der Panoramaklinik getanzt, das war wirklich ergreifend, 2014 sind Mo und ich nach München gereist, um dort auf dem Stachus zu tanzen. 2015, dachte ich schon, muss es ausfallen, aber jetzt sind wir unterwegs nach Messina. Es gibt v.a. ein Musikstück, das dafür komponiert worden ist, ‚Break The Chain‘ heißt es und dazu einen Tanz, der gar nicht so einfach ist. Letztes Jahr haben Mo und ich noch in meinem kleinen Wohnzimmer vor meinem Notebook geübt, war natürlich ein Heidenspaß! Aber dieses Jahr habe ich die Quadratmeter auf denen ich rumhopse noch optimiert! Ich übe gestern und heute im Klaus, denn draußen ist es immer wieder am regnen und ungemütlich. Außerdem wäre es mir peinlich, bei lauter Musik unsere Campingkollegen am Platz zu bespaßen. Um 15.30 Uhr sind wir schon am Piazza Duomo und Martin findet in den leeren Straßen leicht einen Parkplatz – das wäre schon mal geschafft. Als ich so um viertel vor losgehe (Martin kommt nach), steht auf dem Platz ein kleines Grüppchen von Frauen in schwarz und rot gekleidet, keine Frage, die sind aus dem gleichen Grund hier, wie ich. Ich stelle mich vor, aber weder mein Italienisch noch deren Englisch reichen aus, um irgendwie Konversation zu betreiben. Ist nicht schlimm, die eigentliche Botschaft ist nonverbal und international, das reicht. Schlussendlich sind etwa 50 Frauen und Männer auf dem Platz. Ich beobachte, wie da gequatscht, sich abgeküsst und durcheinandergelaufen wird, aber sonst passiert erst mal nicht viel. Oute mich als typisch Deutsche, als ich gegen 16 Uhr mal frage, wo die Musik denn bleibt, und bekomme die Antwort  ‚arrive adesso‘, ‚kommt jetzt‘, was frag ich eigentlich! Um ca. 16.10 Uhr kommt ein kleiner Wagen über den Platz geprescht, parkt neben dem Duomo, der ebenso kleine Mann, der austeigt, reißt die Heckklappe auf, hebt mal kurz entschuldigend die Hände, packt das ganze Elektroequipment, vorneweg eine dicke Box, die er auf einen Ständer packt, aus, und zack zack ist der Strom vom Café nebenan angezapft, alles angeschlossen und es wummert über den Domplatz. Geht doch. Erst mal tanzen sich die Damen warm – also da war offensichtlich was eingeübt, was nur die Insider kennen. Ich hüpfe etwas unbeholfen hinterher, um bisschen warm zu werden. Als drittes Musikstück kommt das Eigentliche – Break The Chain! Aber was passiert, ist – nicht viel – also ein irritiertes Hin- und Hergelaufe, ohne auszumachende Richtung. Die von mir als Chefin ausgemachte Person versucht  sich und alle anderen irgendwo hinzusortieren, ich verstehe nicht worum es geht. Gut, als dann das Musikstück noch mal ertönt, ist der Plan klar. Endlich finden sich die Frauen zusammen und es entsteht das, was uns hier alle zusammengebracht hat: ein gemeinsamer Tanz an einem Tag, an dem auf der ganzen Welt Menschen den gleichen Tanz zu der gleichen Musik tanzen. Martin filmt und fotografiert, ist also als Zeuge dabei. Denn das ist es, was es braucht: Zeugen. Nachdem wir  sonst nicht viel von den Ansprachen teilnehmender Männer und Frauen verstehen, gehen wir wieder. Unser Part ist getan, jetzt können wir weiterreisen.

Das nächste Ziel heißt Nicolosi, auf dem Weg zum Refugio Ätna Süd. Bis dahin bringt der ausdauernde Martin uns beide, ich hingegen schlafe mal wieder ein auf der Fahrt. Wir übernachten auf einem großen asphaltierten Rondell, inmitten von Bäumen, auf dem sommers wohl die großen Busse ankommen, jetzt aber ist wenig Betrieb. Nur ein paar Liebespaare in Kleinwagen genießen von hier aus den weiten Blick über das lichte Land in der Nacht und vielleicht das ein oder andere mehr.

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