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Tag 192: Sanremo

BSanremo ist toll! Wir fahren mit der Holda von unserem Stellplatz aus in die Stadt und finden die Touristinformation dann doch nach einiger Zeit. Wie es in solchen Städten üblich ist, drückt uns die Dame dort einen Stadtplan in die Hand, streicht uns darauf treffsicher an, was an einem Tag sinnvoll ist anzuschauen und sagt uns gleich noch die passende Reihenfolge der Sehenswürdigkeiten dazu. Und genau so machen wir es, wir arbeiten quasi den Plan ab 🙂 Als erstes sehen wir die Russisch Orthodoxe Kirche, sie öffnet genau dann, als wir da ankommen, nämlich um 15 Uhr. Endlich öffnet mal was um 15 Uhr und schließt nicht schon wieder 😉 Die Kirche ist klein und schön in ihrer Einfachheit. Ich muss an meine russische Oma denken und meine Tante Karin, die dieses Jahr gestorben ist und zünde für die beiden dort eine Kerze an. Wir nehmen uns noch einen Moment Zeit dort zu sitzen. Dann geht’s weiter vorbei an dem großartigen Casino in die Altstadt von Sanremo. La Pigna – das Herz der Stadt! Hier sind die Gassen wirklich verwinkelt, sie gehen treppauf, treppab, Durchgänge durchstreifen wir, bis wir immer weiter die Treppen aufwärts klettern, durch einen kleinen Park kommen, um am Ende ganz oben am Hang zu landen, wo das größte Heiligtum der Stadt, die Kirche Santuario della Madonna della Costa steht. Von hier oben hat man einen herrlichen Blick über die Stadt. Die Sonne steht noch immer warm am Himmel, als wir durch die Gassen von La Pigna wieder hinuntergehen – diesmal bis zum Hafen. Martin hat uns ein kleines, nettes Restaurant ausgesucht, in dem wir heute unseren letzten Abend in Italien feiern. Und das Essen ist wirklich ein Fest! Wir werden bestens bedient und haben einen wunderschönen Abend.

M: Die Sache mit dem netten Restaurant werd‘ ich jetzt wohl öfter mal genau so handhaben: Internet an, Tripadvisor, Restaurant in …. suchen und dann gibt es da ein Ranking, z.B. „256 Restaurants in Sanremo“. Einfach das Beste (oder  Zweitbeste oder so) raussuchen, reservieren und später: Genießen:)
Hier war es die TAVERNA AL 29 – ein ganz kleines Restaurant, 9 Tische, mit Slow-Food Focus, Reservierung dringend erforderlich, jeder Tisch wird am Abend offenbar nur einmal belegt und die Mama in der Küche entscheidet, ob sie noch Kapazitäten frei hat. Wir hatten es auf gut Glück kurz vor der Öffnung um 20:00 probiert, es war noch zu, der Wirt aber da und nach einem Ruf in die Küche (zur Chefin;)) gab es ein großzügiges Ok. Wir waren dann fast die ersten, aber alle andere Tische füllten sich schnell, nur Reservierungen, die Eingangstür bleibt zu und öffnet nur per Klingel. Nach uns sind alle Anderen ohne Reservierung mit großem Bedauern abgewiesen worden. Und was sind wir dann wunderbar bewirtet worden: Mit ligurischer Küche vom Feinsten, aufmerksamster Chefbedienung und Erläuterungen zu Speis und Trank, einem prachtvollen Vorspeisenteller (Le tre ciotole della taverna), einem unverlangten -aber umso mehr zelebrierten- Aperitif aus am Tisch zusammengeführtem Sekt und einem frischherben Sirup „von da“. Eine Flasche primaguten Rosé. Tischwasser umsonst. Der Hauptgang: Pulpo Arosto – geröstet und dann ganz laaangsam im Weißwein mit Rosmarin geköchelt und Rote Beete-Püree dazu. Hm! Und Bettinas Special of the day: Von Mama gemachte Gnocchi, umgeben von kleinen Fischstücken und einer frischen grünen Soße – toll! Klar, noch ein Eis hinterher und einen wiederum spendierten und hausgemachten Likör zum guten Ausklang obendrauf – was für ein schöner Abend mit Essen (und teuer war’s auch nicht!). 

Sanremo, die Hauptstadt der „Blumenriviera“ mit ihrem milden und ausgeglichenen Klima, wird immer noch von dem Attribut „mondän“ begleitet, aber das ist eher Historie. Klar gibt es das bekannte Casino der Stadt und viele steinerne Zeitzeugen aus der Zeit, als Kaiser und Zaren während der Belle Epoque Sanremo zu ihrem eleganten Kurort machten. Heute ist Sanremo quirlig und touristisch, schön und sehenswert, auf jeden Fall einen Besuch wert! 

Schaut Euch mal die Bilder von Sanremos Altstadt an: Diese „Kasbah“ ist wirklich (selbst für uns Europa-„Weitgereiste“:)) eine neue Erfahrung, denn die Gassen (nicht fahrzeuggeeignet)  führen -Hang hoch und runter- immer wieder durch die Häuser selbst hindurch, alles ist dicht an dicht gebaut. Hier gab und gibt es unendlich viele Stellen, an denen die früheren Bewohner taugliche Sperren und Hindernisse für die Piraten platzieren konnten, so dass die marodierenden und plündern wollenden dunklen Herrschaften der Meere sicher schnell die Lust verloren und zum nächsten Ort weitersegelten. Famos:)  

Tag 191: Finale Ligure

B: Gestern Abend sind wir hier in Finale Ligure angekommen, haben auf einem etwas seltsamen Stellplatz übernachtet – zwar direkt am Meer, trotzdem seltsam, und wollen heute den Ort ansehen. Es stellt sich heraus, dass es ein kleines Altstadtviertel ganz in der Nähe der Strandpromenade gibt und dann noch Finalborgo, das alte Dorf, was für uns interessant sein könnte. Wir nehmen die Räder, um zunächst an dem alten Fabrikgebäude vorbeizufahren, das neben unserem Stellplatz steht, kommen aber schon bald zu der Strandpromenade, die aufwändig für die Sommergäste angelegt ist. Davon ausgehend radeln wir in den Altstadtteil des Ortes. Ein paar sehr schöne Straßenzüge, Häuser und Plätze gibt es hier. Dieser Teil von Finale Ligure ist schnell angeschaut, denn hinter allen etwas größeren Straßen, an denen die Gassen dieser Altstadt enden, zeigen sich nur nichtssagende Wohngebiete. Wir folgen also den Schildern, die nach Finalborgo führen. Bis dahin ist es nicht weit. Die Räder stellen wir an dem kleinen Fluss ab, der vor der Altstadtmauer entlangfließt und werden mit dem Schild: ‚Schönste Altstadt Italiens‘ begrüßt. Ich frag mich, ob das nicht andere italienische Städte auch für sich in Anspruch nehmen. Also das muss überprüft werden! Die Altstadt ist schon mal definitiv alt – mittelalterlich alt! Und schön! Und gut erhalten! Wir machen einen Rundgang durch Gassen, Durchgänge, über Plätze, immer mal wieder an die Stadtmauer stoßend und meinen – Ja, ist wirklich sehr, sehr sehenswert! Ob’s die Schönste ist, das wage ich nicht zu behaupten, was haben wir schöne Städte hier in Italien gesehen! Wir gehen noch ein Stück den Hang hinauf, weil es da zu einem Castel Gavone gehen soll, das wäre sicher sehenswert, aber wir haben keine so rechte Lust mehr so weit zu laufen und haben ja schon sooo viel Schönes gesehen. Also gehen wir langsam zurück zu unseren Rädern und radeln dann zu unserem Stellplatz.

Sanremo, das man tatsächlich so schreibt und nicht San Remo (wieder was gelernt), ist heute noch unser Ziel!

M: Auf unseren Fahrten entlang der Küsten von 5T nach Finale Ligure und von da aus weiter nach Sanremo machen wir erstmals Bekanntschaft mit  Tramontana – diese verflixte Windbraut, die immer wieder überraschend den Klaus von der Seite packt und so kräftig an ihm schüttelt und rüttelt, dass man  Angst bekommt, seine Wände könnten doch genügend Angriffsfläche für einen Umsturz bieten  ..

Finale Ligure? Pietra Ligure? Richtig, da war doch was: 1980 – mit 18 und zu Siebt waren wir hier. Conny, Brigitte, Uwe und seine damalige Freundin (Hilfe, ihr Name fehlt mir im Hirn, nur der hier nicht wiedergebbare „Kose“name wäre noch da), Peter, H-J.A. und ich. So sind wir damals im Sommer mit unseren ersten Autos hierher gekurvt und dann immer zu Siebt im braven R4 von Pietra Ligure nach Finale Ligure an den Strand geeiert. An die, die dabei waren: So war’s doch, oder? Und schön war es auch, nicht wahr? Aber ich sag‘ Euch: Da ist nix mehr zu erkennen. Wir sind heute durch Finale und Pietra Ligure gefahren – und ich hab‘ hier nichts gesehen, was irgendwie ’n Funken Erinnerung ausgelöst hätte. Na gut, das Meer war noch da. Oder bring ich alles durcheinander und wir waren gar nicht hier? Sachdienliche Hinweise der damals Beteiligten bitte hier als Kommentar einstellen – Danke:)

Tag 179-190: Levanto & Cinque Terre

B: Nach einer weiteren Nacht in Lucca mit Discogewummer bis ca.  4 Uhr morgens, fahren wir weiter nach Levanto. Denn von da aus kann man sich sehr gut die Cinque Terre erwandern. In Levanto hat zu dieser Jahreszeit nur ein Campingplatz geöffnet und der hat zum Teil keine guten Bewertungen in Bezug auf die Freundlichkeit der Platzbetreiber bekommen. Auf so was habe ich gar keine Lust, aber irgendwo müssen wir ja hin. Dann ist der Platz aber wirklich hübsch, und die sanitären Anlagen sind auch in Ordnung. Ein kleiner Bach fließt durch die Anlage, seine Ufer sind liebevoll bepflanzt. Und Martin macht das dann mit der Rezeption. Sehr nett von ihm 🙂 Mir gefällt der kleine Ort Levanto auf Anhieb. Er hat alles, was ich brauche. Überschaubar ist er, liegt direkt am Meer und hat sogar einen Strand. Unser Campingplatz liegt am Ortsrand. Am ersten Tag gehe ich zu Fuß einkaufen, ich finde einen sehr kleinen Supermarkt, der wirklich nur das Nötigste hat, dafür liegt er ganz nah.

In den folgenden Tagen, die wir hier auf dem Platz bleiben, machen wir verschiedene Wanderungen durch die Cinque Terre. Ich meine, wir sind genau zum richtigen Zeitpunkt hier. Hat es anfangs noch geregnet, scheint die Sonne nach ein paar Tagen meistens, aber es ist noch nicht zu warm zum Wandern und das Beste ist: es ist noch keine Saison. Denn auf diesen sehr beliebten Wanderwegen hier wird es zu Ferienzeiten sicher viel zu voll werden. Auf einer unserer Wanderungen erleben wir es schon, wie es ist, wenn einem ständig auf den schmalen Wegen Leute entgegen kommen und das Ausweichen schwierig wird.

Meist fahren wir mit dem Zug zu einem der 5 Orte, wandern ein oder zwei Teilstrecken und fahren dann entweder zurück nach Levanto oder sind eben schon zu Fuß angekommen. Der beliebteste Wanderweg, der von Monte Rosso bis nach Riomaggiore geht, ist enttäuschenderweise auf fast allen Teilstrecken gesperrt. Wir finden aber heraus, dass es Alternativstrecken gibt, die wunderschön sind und ebenso den Blick über’s Meer und die traumhafte Landschaft erlauben. Und durch konsequentes Nachfragen findet Martin heraus, dass ein Teil der Strecke durchaus wanderbar ist und so kommen wir doch noch dazu, diesen Weg zu gehen.

Die Dörfer sind alle schön, jedes auf seine Weise. Anfangs entdecken wir manchmal nicht gleich das eigentliche alte Dorf, weil es in einem weiteren kleinen Tal liegt und fragen uns dann, was sie eigentlich nur damit haben – bis wir merken, dass wir nur den neuen, unspektakulären Teil des Ortes gesehen haben. Mir persönlich gefällt ja am Besten Vernazza, aber da haben manche von uns eine andere Meinung 🙂 

Ein paar Tage bevor wir abreisen, bekommen wir noch mal neue Nachbarn. Barbara und Klaus sind uns auf Anhieb sympathisch. Sie sind zwar Deutsche, leben aber schon seit 30 Jahren in Australien. Entweder sie waren schon immer so fröhliche und aufgeschlossene Menschen oder die Leichtigkeit der Australier hat auf sie abgefärbt. Ich tippe auf ersteres. Und Martin liegt tatsächlich richtig mit seiner Annahme: Die beiden betreiben ein deutsches Restaurant – in der Nähe von Brisbane (ok. in australischen Maßstäben nah – 100 km entfernt) . Es nennt sich ‚King Ludwigs German Restaurant‘ und scheint ein echtes Erfolgsmodell zu sein. Die beiden schippern ein Jahr durch Europa und Südamerika, ihre 3 Kinder sind auch schon beinahe groß, jedenfalls groß genug, um damit gut zurecht zu kommen. Einen Abend gehen wir zusammen Pizza essen, und haben schon eine Menge Spaß und einen Abend kocht der Chef für uns – ein geradezu geniales Risotto! So was von lecker! Ich sage nur: gelernt ist gelernt. Dieses Ereignis begießen wir dann auch mit reichlich Rotwein und hinterher gibt’s noch Orangenfeuerwasser – auch vom Chef. Ich halte mich zurück, aber Martin schmeckt das Zeug und danach benimmt er sich etwas seltsam. Wenn ich ihn nicht besser kennen würde, würde ich behaupten, er hat gelallt 🙂

Da die beiden dann durch Frankreich und weiter nach Spanien unterwegs sind, besteht die Chance, dass wir uns noch mal sehen – schön wär das ja!

M: Na klar hab‘ ich dann ruckzuck gelallt – das Zeug (als Orangenlikör deklariert!) ging bei mir mehrfach prima runter und hatte 55%! 

Und Barbara & Klaus würd‘ ich auch gerne noch mal treffen – aber bei dem Tempo, das die beiden einschlagen, könnte das schwierig werden. Vielleicht dann doch erst im September in Bayern, dann sind sie in der alten Heimat und wir ja wahrscheinlich auch wieder zuhause.
Die Lebensstory der beiden imponiert mir, macht mich aber gleichzeitig nachdenklich. Das klingt alles nach ständigem Vollgas – so wie sie auch ihre eigene Ein-Jahres-Reise durchtakten.
Andererseits:
Die Wahrscheinlichkeit, sie noch während unserer eigenen Reisezeit wieder zu treffen, ist doch nicht sooo gering – aber dann haben die zwei wahrscheinlich schon mehrfach die Erde umrundet, während wir immer noch an der italienisch-französisch-spanischen Mittelmeerküste entlangdümpeln. Mal schauen.
Jedenfalls: Falls wir selbst mal Australien
„machen“, dann geht’s für uns unbedingt auch nach Maleny, zu King Ludwig’s.
Und: Barbara & Klaus – ihr seid toll:)

Aber jetzt mal zu ernsthaften Themen: Warum wird mein Salat zum Beispiel nicht gelobt, schließlich find ich, dass er ganz gut neben des Profis Mahl bestanden hat?

Cinque Terre: Ein kleiner italienischer Küstenabschnitt, gerade einmal 12 km lang. Eine abgeschirmte Lage, die durchgängig das Land beherrschende Steilküste und die klimatische Begünstigung machen die Cinque Terre zu einem ganz besonderen Stück Erde. Die 5 Gemeinden, die namensgebend sind und wildromantisch in schmalen Tälern der Steilküste liegen oder auf Felsen thronen, sorgen für die weltbekannte Fotokulisse. Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola, Riomaggiore – jedes dieser Dörfer ist ein Kleinod und Gesamtkunstwerk. Hier kann bestimmt jeder seinen persönlichen Favoriten finden.

Das alles wissen auch die Reiseveranstalter rund um die Welt. Cinque Terre gehört ganz sicher zu einer „Best of Europe“-Tour für alle Nationalitäten. Seit 1997 gehören die Cinque Terre (gemeinsam mit dem südwestlich folgenden Porto Venere) zum UNESCO Welterbe.

Wir erleben die „5T“ vor allem wandernd von Ort zu Ort, wie Bettina es bereits oben beschrieben hat. Die Gemeindegebiete und die vorgelagerten Meeresflächen wurden zum zusammenhängenden Nationalpark erklärt und die Infrastruktur für Wanderungen ist bestens ausgebaut. So gut, dass für die beliebtesten 5T-Wanderrouten (nämlich die, die immer entlang der Steilküste direkt über dem Meer entlang von Dorf zu Dorf führen) sogar Eintritt verlangt wird! Allerdings noch nicht bei uns, die Saison ist noch nicht ganz da und so wird in den Dörfern noch überall eifrig gewerkelt und es werden die Fassaden gestrichen, damit alles glänzt und strahlt, wenn’s richtig losgeht.

Uns reicht’s aber auch so schon in Punkto Andrang. Die Wege, die offen sind, sind teilweise schmal, ganz schmal – und es sind jetzt schon zu viele Menschen dort unterwegs. Ständig ist man am Überholen, in Gegenrichtung durchlassen, selbst vorbeilassen und ausweichen. Die ganze Welt ist hier schon unterwegs, egal ob junge asiatische Pärchen (ständig posend und möglichst effektheischende Selfies anfertigend), kräftige englische Schulmädchentrupps oder amerikanische Familien. Die Ausstattung der Menschen aus aller Welt ist genauso vielfältig wie ihre Herkunft. Da ist von Ballerinas mit Röckchen bis zur schwersten, für mehrwöchige Hardcoretouren immer noch oversizeden Trekkingausstattung mit 20kg-Rucksack alles vertreten. Wohlgemerkt: Alle haben die gleiche Wanderung im Sinn;) Ach ja: Rüpelige Trail-Runner, der Inbegriff von Egoismus, walzen auch noch an einem vorbei, als gäbe es nur sie selbst. Blödmänner.  

Im Sommer möchte ich das alles gar nicht erleben, was sich da wahrscheinlich abspielt. Unser Pech ist gleichzeitig wohl auch ein Glück: Da von den vier Wegstrecken, die direkt an der Steilküste zwischen den Dörfern entlangführen, zwei gesperrt sind, bleibt dort immer nur der Weg über die Berge. Also von der Küste rauf auf ca. 400m (oft steil und schweißtreibend), dort oben einige hundert Meter entspannt und die irrwitzige Aussicht genießend entlangschlendern und dann wieder steil abwärts stolpern, so lautet die Aufgabe. Das machen wahrscheinlich nicht alle Besucher mit und so ist es auf diesen „Berg“-Strecken erträglich.

Schade allerdings, dass zu den derzeit gesperrten Abschnitten auch die Via dell‘ Amore zählt, der weltweit bekannteste Abschnitt überhaupt, der aber wohl erst für die Saison 2016 wieder freigegeben wird.

Mir allerdings -als „echte“ Wanderstrecken- am besten gefallen haben ganz andere Routen: Nämlich a) die Küstenstrecke von Levanto nach Monterosso (Wanderweg 1 + 10) und b) ein Weg, der von Monterosso steil nach oben führt (Weg 10), um nach einer Teilstrecke entlang des Wanderwegs Nr. 1 an einem kleinen Pass -„Colla Bagari“- Richtung Levanto abzuzweigen, um dann –oft kaum als Weg erkennbar- auf den wohl neugeschaffenen Trails 572/573, über Geröllstrecken und durch Wälder, entlang einem kleinen Bachlauf, zurück in das Tal von Levanto führt. Hier war ich am späten Nachmittag völlig alleine, keine Menschenseele sonst unterwegs. Toll!

Levanto: Hier in der ganzen Gegend sind Fassadenmaler oft ganz besondere Künstler, da wird sich nicht auf das Aufbringen von Farbe beschränkt, sondern es werden Scheinwelten erschaffen, die oft trügerisch echt wirken. Auf den Fassaden entstehen Türen und Fenster und vermeintliche Einblicke in Lebensaugenblicke hinter den Fassaden, die nichts als Schein sind und genauso wenig echt wie vermeintlich plastische Fassadenausprägungen oder ganze Wohn-Szenen. Verständlich, dass die Maler ihr Werk signieren.

Das Städtchen liegt am Meer, hier hat es auch eine Markthalle und hier gibt es frischen Fisch. Wenn wir nur mal früher rauskommen würden. So ist der Fisch immer schon weg, wenn wir da sind. Aber im Fischladen gibt’s auch prima Dorade für den Grill. Allerdings: Wir sind schon wieder weiter oben in Europa. Hat das Kilo fangfrische Dorade in Griechenland noch € 8,- gekostet, sind es in Sizilien schon eher € 12,- gewesen und hier haben wir dann 17,50 auf der Skala stehen….  

Levanto ist ein seit altersher gewachsener schöner kleiner (Urlaubs-) Ort – sicherlich etwas in die Jahre gekommen, aber ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen und Besuche der 5T. Der Strand ist prima, die Bucht lieblich, es scheint alles überschaubar. Aus unserem Blickwinkel fehlt es an nichts und mit dem während unserer Zeit dort einzig offenen Campingplatz „Aqua Dolce“ waren wir nach ersten Bedenken (siehe Bettinas Text) auch sehr zufrieden. Der Platz ist ideal gelegen (praktisch im Ort und doch ganz außerhalb;)) und sehr gepflegt. 

Vom Allgäu aus erreicht man Levanto wohl in ca. 6 Stunden – das kann man sich gut für einen 14-Tage-Urlaub merken.        

Levanto

Cinque Terre – die 5 Ortschaften         

Cinque Terre – die Wanderungen  

 

Tag 178: Lucca

B: Martin hat gelesen, dass man auf der Stadtmauer von Lucca, die sehr breit sein soll, prima mit dem Fahrrad fahren könne. Also radeln wir Richtung Stadt und suchen einen Aufgang zur Mauer. Der ist schnell gefunden. Nur diese Mauer ist eher ein Wall, erinnert an einen norddeutschen Deich und Fahrradfahren geht hier wirklich bestens. Spaziergänger und Radfahrer bevölkern den Wall und genießen mit uns das schöne Wetter. Von hier aus kann man die Altstadt von Lucca ein Stück überblicken und mithilfe des Stadtplans finden wir gut den Zugang dort, wo wir als erstes hin wollen. Lucca ist wieder mal eine italienische Stadt, die unbedingt sehenswert ist! Auch sie hat ihren ganz eigenen Charakter und ist wunderschön.
Die Räder stellen wir ab und erkunden den Ort weiter zu Fuß. Uns fällt ein Prospekt in die Hand, der Werbung für Tanzveranstaltungen an diesem Wochenende hier in Lucca an verschiedenen Plätzen und Orten macht. Um 17 Uhr soll die erste Veranstaltung stattfinden. Wir laufen rund um besagtes Haus, um überhaupt den Eingang zu finden. Die Dame am Empfang will uns erst gar nicht reinlassen, weil, wie sie uns wortreich erklärt, alle verfügbaren Karten schon reserviert seien, wenngleich das Ganze keinen Eintritt kostet. Wir vermuten, aus Mitleid mit den deutschen Touristen, drückt sie ein Auge zu und lässt uns durch. In Räumen, wie aus einem alten Schloss, wird jeweils in einem Raum zur Musik eines einzigen gespielten Instruments getanzt, mal von einer, mal von mehreren Tänzerinnen und Tänzern. Sehr eigen, sehr besonders, sehr ästhetisch. Von Raum zu Raum wird unser kleines Grüppchen Zuschauer zu den unterschiedlichen Tänzen mitgenommen. Eine ganz besondere Atmosphäre entsteht. Danach folgen wir weiteren Tanzperformances, die in der ganzen Stadt verstreut, mal draußen auf Plätzen, mal drin in kleinen Läden, stattfinden. Es ist immer etwas ganz Besonderes, solche Überraschungen zu erleben.

M: Die mit Alleebäumen gesäumte Stadtmauer von Lucca ist wie eine breite Promenade und wird von den Einwohnern auch so genutzt. Sie ist mit ihren Festungsanlagen fast vollständig erhalten und schützt (auf bestimmte Art auch heute noch) das große Gebiet der Altstadt. Lucca war einstmals eine der bedeutendsten europäischen Städte, lebte zuletzt von der Textilindustrie und gilt heute noch als sehr reiche Stadt. Wir dürfen die großen Plätze, die romanischen Kirchen und mittelalterlichen Türme bestaunen und auch die skurille Piazza dell’anfiteatro. Diese ist der Innenraum des früheren römischen Amphitheaters und deren Mauern werden jetzt für Restaurants und Geschäfte genutzt. Außen sind noch die Originalteile des Amphitheaters zu erkennen. Das nenn‘ ich mal ne gescheite Weiterverwendung von vorhandener Bausubstanz;)

Mehrere  etwas spezielle Süßwarenläden sehen wir. Schaut Euch dazu mal das Bild mit den Schuhen im Schaufenster genauer an:)  

Das Lucca Dance Meeting ist ein jährlich wiederkehrendes Tanzfestival mit Wettbewerben, Shows und Bühnenauftritten. Wir erfreuen uns an „Incursioni“ in Luccas Geschäften und Straßen und eben der von Bettina bereits genannten Veranstaltung im Stadtpalast. Da wir bei dem Fachpublikum (und Angehörigen der KünstlerInnen) wohl die einzigen Nicht-Insider sind, hat die Sache noch mal einen besonderen Reiz für uns – unverhofft und toll:)