Tag 71: Martin hat Geburtstag & der „Zuhaus“-Klaus

B: Heute hat mein Schatz Geburtstag! Es ist ein ruhiger Tag, der erste bedeckte seit Tagen. Ich habe gestern tatsächlich noch ein paar ganz hübsche, kleine Geschenke in Koroni für ihn gefunden 🙂 Das war mehr Zufall. V.a. eine Spielkette, die grundsätzlich zur Ausstattung griechischer Männer gehört – das Komboloi. Martin will gar nicht mehr als einen ruhigen Geburtstag haben, so passt alles gut zusammen.

Abends wollten wir zur Feier des Tages essen gehen, doch Costa hat entgegen seiner Ansage geschlossen. Nicht schlimm, wir haben noch was zum Kochen zu Haus im Klaus, der seit ein paar Tagen zum ‚Zu-Haus-Klaus‘ avanciert ist.

Komboloi

Tag 76: Mystra – historische Großstadt

M: Mystras (oder Mystra) – eine untergegangene Großstadt aus alter Zeit, angesiedelt auf einem steilen Vorberg des Taygetos-Gebirges. Zuerst wurde von Kreuzrittern (die mal wieder…) im 13. Jahrhundert eine Burg errichtet, die das Tal von Sparti überwachte. Dann kloppten sie sich mit den Truppen von Byzanz, verloren und mussten Mystra abliefern. Die Menschen aus dem nur wenig entfernten Sparti hatten irgendwann die Schnauze von den ganzen Kreuzrittern „in the town“ voll und zogen reihenweise um nach Mystras – dort gab es immerhin die starke Festung, in deren Schutz und an deren Hang sie sich ansiedelten. Es entstand eine Stadt, die irgendwann mehrere 10.000 Einwohner zählte und als kulturelles Zentrum der Region galt. Später kamen dann die Osmanen und darauf die Venezianer und erklärten Mystras jeweils zu ihrem Ding. Als dann die Griechen im 19. Jh. ihren eigenen Freiheitskampf führten, ging die Stadt leider komplett zu Bruch und anschließend hatte keiner mehr die Lust zum Aufbau. Es gab ja noch Sparti, das man vor Hunderten von Jahren aufgegeben hatte und das nun wieder aufgehübscht wurde.

So bietet sich Mystras heute als Ruinenstadt dar, wie alle griechischen Dings allerdings täglich nur bis längstens 15:00. Danach isses nur noch ne geschlossene Ruinenstadt. Da wir aber direkt vorm unteren Tor übernachteten, waren wir bereits kurz vor 12:00! am Eingang:))) 3 Stunden Zeit für Mystras bedeutet eine stramme Tour, den Berg hoch und runter. Dabei eine Kirche nach der anderen bewundern und über die gigantischen Ausmaße der ehemaligen Stadt staunen. Staunen allerdings auch darüber, wen oder was die Leute geritten hat, ausgerechnet an diesem steilen Hang zu siedeln – wo es doch vor der Nase herrliche, fruchtbare Ebenen gibt. Der tolle Ausblick alleine wird es nicht gewesen sein, aber vielleicht ging es wirklich ganz banal um Angst und Schutz. Die „Straßen“ in der Stadt waren so steil und eng, dass für Karren und Wagen da nix ging. Es ist auch heute immer noch steil im Ort, immer noch höher geht es hinauf, der Blick über die Ebene wird immer gigantischer und dann ist auch schon das nächste Highlight in Sicht – der ehemalige Herrscherpalast, der Sitz des Despoten. Aber leider: Geschlossen, wird gerade neu aufgebaut (Renovierung würde den Umfang nur unzureichend beschreiben). Irgendwelche Informationen gab es dazu vorab nicht. Also noch bis zur eigentlichen Festung hochgekämpft und alles noch mal von oben genossen und dann beim Abstieg gemerkt, dass es schon 14:50 ist. Ähm, in 10min klappt das nicht nach unten ….. so um 15:15 gleiten wir dann elegant nach draußen, denn die Angestellten stehen noch zum Plausch versammelt vorm Tor; Schlüssel bereits in der Hand.

Tag 75: Taygetos-Gebirge

B: Nachdem wir morgens in Kalamata noch ein paar Dinge erledigt haben –  Martin auf der Suche nach einer Bäckerei, ich beim Shoppen in einem !Bioladen!, fahren wir nach dem Frühstück weiter.

M: Unser Weg führt uns heute von Kalamata ins Taygetos-Gebirge – zu unserem Tagesziel, der vergangenen Großstadt Mystra.

Mystra oder Mystras. Oder was sich sonst noch so an Schreibweisen anbietet. Denn das ist schon phänomenal, was so alles passiert, wenn Namen von Städten oder Stätten vom griechischen Alphabet in die uns vertraute lateinische Schrift übertragen werden. Sehr hilfreich z.B., wenn man Zeile ins Navi eingaben will. Beim 4. Versuch klappt’s meistens (Tipp aus Erfahrung: Immer versuchen, ein „s“ hintendran zu hängen oder wegzulassen und Schreibweisen mit „i“ und „y“ probieren;))

Naja, auf geht’s weiter ins Gebirge. Auf dem Weg nach oben kommen wir an langen Graffiti-Reihen vorbei, die sich an Betonstützwänden breitmachen. Dabei sind wieder etliche Bilder einer Sprayerin (oder eines Sprayers) zu sehen, deren/dessen Portraits schon in Kalamata allerorten zu bewundern waren – und dort das Stadtbild erheblich auffrischten (nicht alle Werke sind so düster wie die, die wir dann außerhalb Kalamatas fotografierten).           

Der Weg ins Gebirge ist sehr schön. Die Straße führt nach einigen Serpentinen lange Zeit immer seitlich auf halber Höhe entlang einer Schlucht ins Land hinein, um sich dann irgendwann entlang einer Bergkette durch offenbar sehr fruchtbare Hänge nach oben zu winden. Wurde die Gegend außerhalb Kalamates erst einmal schnell unbewohnt, so werden hier die Häuser und Dörfer mitten in den Bergen wieder zahlreich und die Vegetation strotzt nur so vor Kraft: Wälder, wie ich sie hier in GR nicht vermutet hätte, dichte Baumbestände und schöne herbstliche Laubfärbungen – Indian Summer lässt grüßen. Die Durchgangsstraße Richtung Sparti (ist gleich Sparta – das kennt jeder) klettert bis auf über 1.300m und bietet immer wieder herrliche Panoramablicke im Gebirge. Der höchste Berg des Taygetos ist immerhin über 2.400m hoch.

Auf dem weiteren Weg nach Sparti und Mystra möchte uns Karin immer wieder auf Nebenstraßen zu unserem Tagesziel führen, aber dieses Mal bleiben wir standhaft. Heute keine Lust auf Irrfahrten und Abenteuer;)

In der Abenddämmerung kommen wir im heutigen Ort Mystras an und laufen noch ein wenig durch die kleine Ortschaft, sehen dabei erstaunt ein Kameramuseum (wie kommt das hierher?) und machen uns auf zu unserem morgigen Thema, der historischen Stadt Mystras. Auf dem Parkplatz unterhalb des Haupttores richten wir uns zum übernachten ein und erwarten eine friedliche Nacht.    

Leider haben wir zwei Komponenten nicht berücksichtigt: Es ist Wochenende und vom Haupttor aus hat man einen gigantischen Blick auf die Ebene von Sparti. Prima Treffpunkt für Jugendliche. Zumindest solche, die bereits mit Auto ausgestattet sind. Und die sind, wie sie überall sind und wie wir es auch waren: Musik aufdrehen und ’n Dicken machen. Speziell hier geht das so: Auto an und den Berg runterheizen, dabei von Leistung träumen und das schalten vergessen…. wer zuerst den Motor überdreht, hat wahrscheinlich gewonnen. Und da eben Wochenende ist, dauert das auch alles etwas länger, so ungefähr bis 3:00. American Graffiti auf griechisch, den Berg runter …. Für uns wird es eine „kurze“ Nacht.

Tag 74: Kalamata

B: Gestern haben wir den Stellplatz, der im Internet als solcher angegeben ist, am Hafen von Kalamata  mehr vermutet, als deutlich gefunden. So haben wir zwischen aufgedockten Booten geschlafen, auch schön. Mit Hunger hatten wir nach einer halbwegs belebten Taverne Ausschau gehalten und ganz in der Nähe des Hafens gefunden. Der sehr beflissene, kleine und flinke Ober überhäufte uns mit einem griechischen Redeschwall, bewirtete uns mit sehr gutem Essen und streute geradezu inflationär sein ‚evcharistó pára polí‚ ein.

Heute Mittag  erkunden wir die Altstadt mit dem Rad. Für die recht überschaubaren Burgruinenreste brauchen wir nicht mehr als die noch zur Verfügung stehende halbe Stunde  (da stand er aber auch schon um 5 vor 3, und wurde zappelig, der Herr der Schlüssel). Wir sehen Kirchen, Denkmäler und schöne Gebäude und bekommen von einer Frau ein paar Mandarinen über den Gartenzaun geschenkt 🙂  Die eigentliche Altstadt finden wir dann auch, aber die Läden sind gerade alle zu, so wollen wir abends noch mal herkommen. Am Abend findet Martin einen sehr entspannten Radweg, der uns mitten ins pralle Leben führt. Die Stadt ist voll mit Menschen, die in Bars und Kneipen sitzen oder einfach nur flanieren. Genau das, was ich mal wieder brauche. Eine sehr schöne Taverne, in der wir auch noch einen freien Tisch finden und gut essen, macht den Abend perfekt.

M: So ein Standplatz mitten in einer Marina ist nicht verkehrt. Wir fahren einfach zum Tor hinein, nach links, kein Mensch kümmert sich um uns und wir stehen prima ruhig, fast mitten in der Stadt. Morgens stehen (zumindest mir) die sanitären Anlagen der Marina zur Verfügung, es gibt Wasser und das Abwasser lässt sich auch entsorgen.
Wo wir gerade hier im Hafen so zwischen den aufgedockten Yachten, die auf Überholung oder Reparatur warten, herumstehen, kommt mir bei gutem Wetter die Idee, nun einmal ernsthaft und endgültig das Loch in unserem Klaus-Dach zu versiegeln. Also Klaus direkt an eine Hafenmauer gestellt und dann von oben auf
dem Dach eine seriöse Reparatur durchgeführt, die nun (jedenfalls bis Stand Anfang 2015) selbst die heftigsten Gewitter unbeschadet an uns vorüberziehen lässt. Ein Stressfaktor weniger.