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Tag 222: Caverne du Pont d’Arc

B: Gestern hat sich Martin noch um Eintrittskarten für die Caverne du Pont d’Arc gekümmert, denn die kann man im Internet käuflich erwerben (also die Eintrittskarten) und ausdrucken. Dann muss man hoffentlich nirgendwo mehr anstehen, wenn man das Ganze besichtigen möchte. Überhaupt ist das ja eine klasse Idee (natürlich von Martin): Heute hat diese mit viel Aufwand künstlich nachgebildete Höhle erst den 2. Tag geöffnet und wir sind dabei! Ob sie am ersten Sonntag ihrer Eröffnung völlig überfüllt sein wird, wird sich zeigen.

Das Original heißt Chauvet-Höhle. Dort dürfen Normalsterbliche aber leider nicht hinein, sie bleibt den Wissenschaftlern vorbehalten. Um diese außergewöhnlichen Wandmalereien, die irgendwann vor ca. 22.000 bis 35.000 Jahren vor unserer Zeit entstanden sein sollen (die Experten sind sich da nicht ganz einig), aber der breiten Masse zugänglich machen zu können, hat man also diese einmalige Höhle detailgetreu nachgebaut. Die Bilder an den Wänden haben Künstler mit Materialien aus dieser vergangenen Zeit nachgemalt und dabei, wie wir jetzt wissen, eine Menge Geduld, Schweiß und Tränen aufgebracht. 

Es ist erstaunlicherweise gar nicht sehr voll, und das, obwohl doch auch das Wetter sehr dafür spricht, sich für heute eine Drinnen-Aktivität zu suchen. In die Höhle darf man nur mit einer geführten Gruppe. Wer kein Französisch versteht, bekommt einen Audioguide. Zu einer exakten Uhrzeit, die wir im Internet aussuchen konnten, beginnt die Führung. Das mit dem Audioguide klappt mal mehr mal weniger gut. Manchmal erzählt der Erzähler auch etwas über eine Malerei an einer anderen Stelle, dann werde ich ratlos und schaue mich hektisch um, ob ich ein Bild an den nur minimal beleuchteten Wänden nicht gefunden habe. Dafür spricht der Erzähler in ausgesprochen poetischen Worten. Naja, zum Schluss bekommen wir dann doch alles zusammen, schließlich kann dieser Guide sich auch wiederholen. Die Malereien sind beeindruckend bis wow. Kaum zu glauben, dass Menschen vor so vielen Jahren ein solches Gespür für künstlerische Darstellung hatten. Fotos durften wir nicht machen und diesmal hat sich Martin (ganz im Vergleich zu Anderen in der Gruppe) auch daran gehalten. Mal einen Blick auf die Internetseite der Höhle zu werfen, lohnt sich.

Nach der Besichtigung suchen wir uns zwischen all den Campingplätzen mit direktem Ardèche-Zugang den Camping Mondial aus. Die Campingplätze sind alle zwischen Fluss und Straße gelegen und haben dadurch diese handtuchschmale Form. Wir stellen uns Richtung Fluss, mit der Folge, dass wir kein WLAN haben, das reicht meist nicht sehr weit von der Rezeption aus betrachtet.

M: Die neue, sensationelle Caverne du Pont d’Arc: Leider keine Fotos aus der Höhle, weil verboten und ohne gescheite Foto-Ausleuchtung auch eher sinnlos, daher bitte hier gucken:  http://de.cavernedupontdarc.fr/

Und hier sind die Kulissenbauten zu finden.

Und hier gibt’s die Informationen zum Original, der Chauvet-Höhle.
Diese gehört -natürlich- zum UNESCO-Welterbe.

Heute, als wir dort waren, war es tatsächlich recht ruhig. Später, nachdem wir unseren strikt geführten Gang durch die Höhle schon absolviert hatten, wurde es dann im Besucher-Empfangszentrum doch drängelig. Die meist jungen Guides waren freundlich, aber noch nicht wirklich vernünftig organisiert.  Es war erst der zweite Tag nach der offiziellen Eröffnung der Höhle – so ein bisschen im Versuchskaninchen-Status (oh-Besucher mit Femdsprache!) fühlten wir uns durchaus;) Egal, es war toll und unbedingt sehenswert! Auch wenn unser Audio-Guide, die französische Echt-Guide (wie sagt man das richtig?) und alle in von uns bestaunten Multimedia-Spektakeln  interviewten Fachleuten immer nur in Superlativen schwelgten, was die hohe Kunst der in der Original-Höhle entdeckten Wandmalereien anbelangt („dort waren schon alle Kunstrichtungen vertreten und perfekt ausgebildet“) – und das ein wenig nervte, war es doch auch für uns Laien absolut erstaunlich, was die Menschen vor 30.000 Jahren da zustande brachten – genial!

Schaut selbst – Bilder aus der Höhle: http://de.cavernedupontdarc.fr/entdecken-sie-die-caverne-du-pont-darc/

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Tag 179-190: Levanto & Cinque Terre

B: Nach einer weiteren Nacht in Lucca mit Discogewummer bis ca.  4 Uhr morgens, fahren wir weiter nach Levanto. Denn von da aus kann man sich sehr gut die Cinque Terre erwandern. In Levanto hat zu dieser Jahreszeit nur ein Campingplatz geöffnet und der hat zum Teil keine guten Bewertungen in Bezug auf die Freundlichkeit der Platzbetreiber bekommen. Auf so was habe ich gar keine Lust, aber irgendwo müssen wir ja hin. Dann ist der Platz aber wirklich hübsch, und die sanitären Anlagen sind auch in Ordnung. Ein kleiner Bach fließt durch die Anlage, seine Ufer sind liebevoll bepflanzt. Und Martin macht das dann mit der Rezeption. Sehr nett von ihm 🙂 Mir gefällt der kleine Ort Levanto auf Anhieb. Er hat alles, was ich brauche. Überschaubar ist er, liegt direkt am Meer und hat sogar einen Strand. Unser Campingplatz liegt am Ortsrand. Am ersten Tag gehe ich zu Fuß einkaufen, ich finde einen sehr kleinen Supermarkt, der wirklich nur das Nötigste hat, dafür liegt er ganz nah.

In den folgenden Tagen, die wir hier auf dem Platz bleiben, machen wir verschiedene Wanderungen durch die Cinque Terre. Ich meine, wir sind genau zum richtigen Zeitpunkt hier. Hat es anfangs noch geregnet, scheint die Sonne nach ein paar Tagen meistens, aber es ist noch nicht zu warm zum Wandern und das Beste ist: es ist noch keine Saison. Denn auf diesen sehr beliebten Wanderwegen hier wird es zu Ferienzeiten sicher viel zu voll werden. Auf einer unserer Wanderungen erleben wir es schon, wie es ist, wenn einem ständig auf den schmalen Wegen Leute entgegen kommen und das Ausweichen schwierig wird.

Meist fahren wir mit dem Zug zu einem der 5 Orte, wandern ein oder zwei Teilstrecken und fahren dann entweder zurück nach Levanto oder sind eben schon zu Fuß angekommen. Der beliebteste Wanderweg, der von Monte Rosso bis nach Riomaggiore geht, ist enttäuschenderweise auf fast allen Teilstrecken gesperrt. Wir finden aber heraus, dass es Alternativstrecken gibt, die wunderschön sind und ebenso den Blick über’s Meer und die traumhafte Landschaft erlauben. Und durch konsequentes Nachfragen findet Martin heraus, dass ein Teil der Strecke durchaus wanderbar ist und so kommen wir doch noch dazu, diesen Weg zu gehen.

Die Dörfer sind alle schön, jedes auf seine Weise. Anfangs entdecken wir manchmal nicht gleich das eigentliche alte Dorf, weil es in einem weiteren kleinen Tal liegt und fragen uns dann, was sie eigentlich nur damit haben – bis wir merken, dass wir nur den neuen, unspektakulären Teil des Ortes gesehen haben. Mir persönlich gefällt ja am Besten Vernazza, aber da haben manche von uns eine andere Meinung 🙂 

Ein paar Tage bevor wir abreisen, bekommen wir noch mal neue Nachbarn. Barbara und Klaus sind uns auf Anhieb sympathisch. Sie sind zwar Deutsche, leben aber schon seit 30 Jahren in Australien. Entweder sie waren schon immer so fröhliche und aufgeschlossene Menschen oder die Leichtigkeit der Australier hat auf sie abgefärbt. Ich tippe auf ersteres. Und Martin liegt tatsächlich richtig mit seiner Annahme: Die beiden betreiben ein deutsches Restaurant – in der Nähe von Brisbane (ok. in australischen Maßstäben nah – 100 km entfernt) . Es nennt sich ‚King Ludwigs German Restaurant‘ und scheint ein echtes Erfolgsmodell zu sein. Die beiden schippern ein Jahr durch Europa und Südamerika, ihre 3 Kinder sind auch schon beinahe groß, jedenfalls groß genug, um damit gut zurecht zu kommen. Einen Abend gehen wir zusammen Pizza essen, und haben schon eine Menge Spaß und einen Abend kocht der Chef für uns – ein geradezu geniales Risotto! So was von lecker! Ich sage nur: gelernt ist gelernt. Dieses Ereignis begießen wir dann auch mit reichlich Rotwein und hinterher gibt’s noch Orangenfeuerwasser – auch vom Chef. Ich halte mich zurück, aber Martin schmeckt das Zeug und danach benimmt er sich etwas seltsam. Wenn ich ihn nicht besser kennen würde, würde ich behaupten, er hat gelallt 🙂

Da die beiden dann durch Frankreich und weiter nach Spanien unterwegs sind, besteht die Chance, dass wir uns noch mal sehen – schön wär das ja!

M: Na klar hab‘ ich dann ruckzuck gelallt – das Zeug (als Orangenlikör deklariert!) ging bei mir mehrfach prima runter und hatte 55%! 

Und Barbara & Klaus würd‘ ich auch gerne noch mal treffen – aber bei dem Tempo, das die beiden einschlagen, könnte das schwierig werden. Vielleicht dann doch erst im September in Bayern, dann sind sie in der alten Heimat und wir ja wahrscheinlich auch wieder zuhause.
Die Lebensstory der beiden imponiert mir, macht mich aber gleichzeitig nachdenklich. Das klingt alles nach ständigem Vollgas – so wie sie auch ihre eigene Ein-Jahres-Reise durchtakten.
Andererseits:
Die Wahrscheinlichkeit, sie noch während unserer eigenen Reisezeit wieder zu treffen, ist doch nicht sooo gering – aber dann haben die zwei wahrscheinlich schon mehrfach die Erde umrundet, während wir immer noch an der italienisch-französisch-spanischen Mittelmeerküste entlangdümpeln. Mal schauen.
Jedenfalls: Falls wir selbst mal Australien
„machen“, dann geht’s für uns unbedingt auch nach Maleny, zu King Ludwig’s.
Und: Barbara & Klaus – ihr seid toll:)

Aber jetzt mal zu ernsthaften Themen: Warum wird mein Salat zum Beispiel nicht gelobt, schließlich find ich, dass er ganz gut neben des Profis Mahl bestanden hat?

Cinque Terre: Ein kleiner italienischer Küstenabschnitt, gerade einmal 12 km lang. Eine abgeschirmte Lage, die durchgängig das Land beherrschende Steilküste und die klimatische Begünstigung machen die Cinque Terre zu einem ganz besonderen Stück Erde. Die 5 Gemeinden, die namensgebend sind und wildromantisch in schmalen Tälern der Steilküste liegen oder auf Felsen thronen, sorgen für die weltbekannte Fotokulisse. Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola, Riomaggiore – jedes dieser Dörfer ist ein Kleinod und Gesamtkunstwerk. Hier kann bestimmt jeder seinen persönlichen Favoriten finden.

Das alles wissen auch die Reiseveranstalter rund um die Welt. Cinque Terre gehört ganz sicher zu einer „Best of Europe“-Tour für alle Nationalitäten. Seit 1997 gehören die Cinque Terre (gemeinsam mit dem südwestlich folgenden Porto Venere) zum UNESCO Welterbe.

Wir erleben die „5T“ vor allem wandernd von Ort zu Ort, wie Bettina es bereits oben beschrieben hat. Die Gemeindegebiete und die vorgelagerten Meeresflächen wurden zum zusammenhängenden Nationalpark erklärt und die Infrastruktur für Wanderungen ist bestens ausgebaut. So gut, dass für die beliebtesten 5T-Wanderrouten (nämlich die, die immer entlang der Steilküste direkt über dem Meer entlang von Dorf zu Dorf führen) sogar Eintritt verlangt wird! Allerdings noch nicht bei uns, die Saison ist noch nicht ganz da und so wird in den Dörfern noch überall eifrig gewerkelt und es werden die Fassaden gestrichen, damit alles glänzt und strahlt, wenn’s richtig losgeht.

Uns reicht’s aber auch so schon in Punkto Andrang. Die Wege, die offen sind, sind teilweise schmal, ganz schmal – und es sind jetzt schon zu viele Menschen dort unterwegs. Ständig ist man am Überholen, in Gegenrichtung durchlassen, selbst vorbeilassen und ausweichen. Die ganze Welt ist hier schon unterwegs, egal ob junge asiatische Pärchen (ständig posend und möglichst effektheischende Selfies anfertigend), kräftige englische Schulmädchentrupps oder amerikanische Familien. Die Ausstattung der Menschen aus aller Welt ist genauso vielfältig wie ihre Herkunft. Da ist von Ballerinas mit Röckchen bis zur schwersten, für mehrwöchige Hardcoretouren immer noch oversizeden Trekkingausstattung mit 20kg-Rucksack alles vertreten. Wohlgemerkt: Alle haben die gleiche Wanderung im Sinn;) Ach ja: Rüpelige Trail-Runner, der Inbegriff von Egoismus, walzen auch noch an einem vorbei, als gäbe es nur sie selbst. Blödmänner.  

Im Sommer möchte ich das alles gar nicht erleben, was sich da wahrscheinlich abspielt. Unser Pech ist gleichzeitig wohl auch ein Glück: Da von den vier Wegstrecken, die direkt an der Steilküste zwischen den Dörfern entlangführen, zwei gesperrt sind, bleibt dort immer nur der Weg über die Berge. Also von der Küste rauf auf ca. 400m (oft steil und schweißtreibend), dort oben einige hundert Meter entspannt und die irrwitzige Aussicht genießend entlangschlendern und dann wieder steil abwärts stolpern, so lautet die Aufgabe. Das machen wahrscheinlich nicht alle Besucher mit und so ist es auf diesen „Berg“-Strecken erträglich.

Schade allerdings, dass zu den derzeit gesperrten Abschnitten auch die Via dell‘ Amore zählt, der weltweit bekannteste Abschnitt überhaupt, der aber wohl erst für die Saison 2016 wieder freigegeben wird.

Mir allerdings -als „echte“ Wanderstrecken- am besten gefallen haben ganz andere Routen: Nämlich a) die Küstenstrecke von Levanto nach Monterosso (Wanderweg 1 + 10) und b) ein Weg, der von Monterosso steil nach oben führt (Weg 10), um nach einer Teilstrecke entlang des Wanderwegs Nr. 1 an einem kleinen Pass -„Colla Bagari“- Richtung Levanto abzuzweigen, um dann –oft kaum als Weg erkennbar- auf den wohl neugeschaffenen Trails 572/573, über Geröllstrecken und durch Wälder, entlang einem kleinen Bachlauf, zurück in das Tal von Levanto führt. Hier war ich am späten Nachmittag völlig alleine, keine Menschenseele sonst unterwegs. Toll!

Levanto: Hier in der ganzen Gegend sind Fassadenmaler oft ganz besondere Künstler, da wird sich nicht auf das Aufbringen von Farbe beschränkt, sondern es werden Scheinwelten erschaffen, die oft trügerisch echt wirken. Auf den Fassaden entstehen Türen und Fenster und vermeintliche Einblicke in Lebensaugenblicke hinter den Fassaden, die nichts als Schein sind und genauso wenig echt wie vermeintlich plastische Fassadenausprägungen oder ganze Wohn-Szenen. Verständlich, dass die Maler ihr Werk signieren.

Das Städtchen liegt am Meer, hier hat es auch eine Markthalle und hier gibt es frischen Fisch. Wenn wir nur mal früher rauskommen würden. So ist der Fisch immer schon weg, wenn wir da sind. Aber im Fischladen gibt’s auch prima Dorade für den Grill. Allerdings: Wir sind schon wieder weiter oben in Europa. Hat das Kilo fangfrische Dorade in Griechenland noch € 8,- gekostet, sind es in Sizilien schon eher € 12,- gewesen und hier haben wir dann 17,50 auf der Skala stehen….  

Levanto ist ein seit altersher gewachsener schöner kleiner (Urlaubs-) Ort – sicherlich etwas in die Jahre gekommen, aber ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen und Besuche der 5T. Der Strand ist prima, die Bucht lieblich, es scheint alles überschaubar. Aus unserem Blickwinkel fehlt es an nichts und mit dem während unserer Zeit dort einzig offenen Campingplatz „Aqua Dolce“ waren wir nach ersten Bedenken (siehe Bettinas Text) auch sehr zufrieden. Der Platz ist ideal gelegen (praktisch im Ort und doch ganz außerhalb;)) und sehr gepflegt. 

Vom Allgäu aus erreicht man Levanto wohl in ca. 6 Stunden – das kann man sich gut für einen 14-Tage-Urlaub merken.        

Levanto

Cinque Terre – die 5 Ortschaften         

Cinque Terre – die Wanderungen  

 

Tag 177: San Gimignano

B: Wir überlegen, ob wir mit der Holda oder vielleicht doch mit dem Bus die 3 km nach San Gimignano reinfahren. Ich habe auf’s Holdafahren keine Lust im Moment: zu kalt, zu ungemütlich. Da aber offensichtlich die Busse meinen, dass  es im Moment noch keinen Bedarf für sie gibt – zu angegebenen Zeiten taucht keiner auf – fahren wir mit der Holda. Der Tag ist sonnig und so geht das auch ganz gut. Als wir durch die Stadtmauer durchgehen, versuche ich herauszufinden, ob ich noch etwas erkenne, denn vor ca. 20 Jahren war ich mal im Januar hier (jetzt nicht die empfehlenswerte Jahreszeit für San Gimignano). Einen Hauch einer Ahnung habe ich noch, aber das meiste betrachte ich mit neuen Augen. Es frühlingt auch hier, einfach wunderbar. Menschen tummeln sich in den Gassen, sitzen in Cafés auf dem kleinen, größten Platz des Ortes –  und dort ist heute gleichzeitig Markt. San Gimignano ist recht überschaubar, es glänzt mit seinem mittelalterlichen Stadtkern und den Geschlechtertürmen, für die es bekannt ist. Von einem kleinen Park aus gelangt man auf einen Aussichtspunkt der Stadtmauer, von der aus man einen fantastischen Blick auf die typisch toskanische Landschaft hat. Und: in San Gimignano gibt es die schönste öffentliche Toilette, die ich bisher auf unserer Reise gesehen habe – sie ist wirklich einen Besuch wert 🙂 (die hintere im Ort!). Auf dem Rückweg zur Holda kauft sich Martin auf dem Markt ein anständiges Schinken-Sandwich und ich leiste mir ein dickes Eis!

Zufrieden geht’s zurück zum Klaus und bald fahren wir weiter nach Lucca. Dort finden wir ein Plätzchen zum Schlafen auf einem großen, öffentlichen Parkplatz. Hier wohnt noch mehr fahrendes Volk und heute Abend wird dort eine Zeltparty gefeiert. Der Lärm geht aber gar nicht so lang, heftiger ist da schon die Disco, die irgendwo in der der Nähe sein muss. So halbwegs klappt’s dann später doch noch mit dem Schlafen.

M: San Gimignano ist so, wie ich mir Monteriggioni den Beschreibungen nach vorgestellt hätte. Zwar ist auch diese Stadt gnadenlos vermarktet und mit Florenz, Pisa und Siena meistbesucht in der Toskana, aber sie ist eigenwillig und original genug, um trotzdem ihren starken Charakter zu behaupten.

Das mit den „Geschlechter“-Türmen darf man sich in etwa so vorstellen wie heute „mein Haus, mein Boot, mein Auto“ … also ging es auch in der Stadt der Türme nur darum, wer hat den größten (ähm, Turm natürlich). Das war aber von heute aus betrachtet eine gute Idee, denn von den einstmals über 70 Türmen sind noch 15 erhalten und prägen auch heute noch das Stadtbild. So hat’s denn auch für San Gimignano zur Aufnahme in die Liste des inzwischen allen eifrigen Leserinnen unseres Blogs gut bekannten UNESCO-Welterbe gelangt;)

Ein uns in Italien -so auch in San Gimignano- immer mal wieder begegnendes Phänomen sind die „Museo della Tortura“ – hier kann man sich an alten Folterwerkzeugen und gar lustigen Puppen, die gefolterte Menschen darstellen sollen, ergötzen… nix für uns;) 

Abends dann, bei der Fahrt in die größere Stadt Lucca hinein (Feierabendverkehr, viele Spuren in eine Richtung, Lärm, Quängelei) wird bei mir das Gefühl wieder deutlich, dass es mich immer mehr Überwindung zu kosten scheint, eine Gegend „weit draußen“ zu verlassen und in eine Urbanität einzufahren. Wo das noch hinführen soll…. irgendwann werde ich selbst noch vor kleinsten Nestern zurückschrecken und am liebsten einsiedeln (oder so …. und eh nur, wenn Bettina mitkommt;)).       

Tag 174: Siena – die Stadt

B: Siena: Besitzerin des angeblich schönsten Platzes in Italien, dem Piazza del Campo! Eines Platzes, der muschelförmig sein soll! Und auf dem 2x im Jahr ein völlig verrücktes Pferderennen stattfindet. Was mit muschelförmig gemeint ist, kann ich mir nicht vorstellen, bis ich ihn sehe. Die Sonne scheint auf den Platz, viele Menschen sitzen hier – am Brunnen, einfach auf dem Boden des Platzes oder in Cafés und Restaurants am Platz. Es ist sofort zu sehen, dass das hier eine Universitätsstadt ist. All die jungen Leute, die hier in Gruppen – ja, was denn machen? Chillen? Abhängen? Zsammhocka? Da machen wir mit, sitzen eine Weile am Brunnen, schauen Kindern beim Spielen zu und Tauben beim Trinken. Als die Sonne langsam den Platz überschattet, gehen wir durch die Gassen Sienas, bewundern diese aufgeräumte, aus Backsteinen gebaute Stadt, entdecken den Innenhof des Palazzo Pubblico mit Aufgang zum Turm (Torre del Mangia), den wirklich beeindruckenden Dom,  und einen Waschsalon(jippieh :)). Also, mit diesen Details der Stadt können wir schon gut den morgigen Tag planen. Wir fahren zufrieden zurück zum Klaus.

M: Siena, Piazza del Campo: Bettina hat schon recht – wie soll man sich einen „muschelförmigen“ Platz vorstellen? Ich kann es auch nicht beschreiben, finde aber alles auf und rund um den Platz herrlich! Überhaupt- die ganze Stadt, wow!

Falls Ihr auch noch nicht hier gewesen seid, besucht Siena einfach mal, es lohnt sich auf jeden Fall! Und falls doch, dann könnt Ihr ja wiederum den nächsten Unwissenden erklären, wie muschelförmig aussieht. Und was „Ricciarelli“ sind:) Ich weiß es von Peter;) Und Bettina und ich haben selbst noch herausgefunden, was es mit „Panforte“ auf sich hat – hmmmm!

Il Palio – DAS Pferderennen! Zweimal im Jahr ausgetragen, völlig verrückt und für viele (sicher zu Recht) ein Anachronismus. Der alte Macho Hemmingway hätte seine Freude gehabt, aber der ist ja nur bis Spanien (Pamplona) gekommen und hat dortige Tier-Verrücktheiten glorifiziert.

Nun: Der Palio von Siena führt eben rund um den Campo. Und für die Pferde muss allein schon der (wie wir nun wissen) muschelförmige Rundkurs irritierend wie ein Formel1-Parcours sein, aber dann geht’s auch noch hoch und runter (denn der Campo ist oben ca. 15m höher als unten) und außerdem scharf ums Eck, immer vorbei an tausenden johlenden Menschen, innerhalb und außerhalb der Rennstrecke und an den Fenstern und Balkonen rund um den Platz. Wahrscheinlich kein Spaß für den Gaul, für die Menschen in Siena aber das größte Spektakel der Stadt: ilpalio.org       

Siena insgesamt? Na klar: UNESCO-Welterbe😉