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Tag 202: Grand Randonnèe GR4 – Wanderung in der Verdonschlucht

B: Heute schreibt Martin euch einen echten Krimi! 🙂
Und nicht zu vergessen: Ich hatte eine Ameise in der Teetasse in der tollen Kneipe!

M: Tssss. Also gut. B: will damit sagen, sie meine, dass ich dazu neigen würde, meine Beiträge evtl. etwas dramatisch zu gestalten – pah! Wohingegen ich ja meine, dass B: durchaus die tatsächliche Dramatik mancher Ereignisse noch etwas deutlicher herausstellen könnte. So, dann wäre das ja klar;):

(B: Mein Kommentar da oben war eigentlich nur als Gedankenstütze für Martin bestimmt, weil er den Text für heute schreiben sollte/wollte, den sollte der nach dem Schreiben löschen :)) )

M: Siehste, das haste jetzt davon;)

Also los geht’s: Heute, Ostermontag, brechen wir wieder auf. Das Wetter soll halbwegs gut werden (mit Variationen je nach befragtem Orakel) und wir wollen uns an ein Stück des GR4 wagen. „Unser“ Teilstück des Grand Randonnèe 4, als Sentier Blanc-Martel bekannt, ist ein spektakulärer und sehr bekannter Pfad hinein in den Grund der Verdon-Schlucht. Dieser Wanderklassiker führt dann 14km entlang des Flusses und hoch und runter über steile Leitern und durch dunkle Tunnel. Ist man erst einmal mitten auf dem Weg, gibt es keine Möglichkeit, aus der Schlucht „auszusteigen“. Man kann bei Punkt A beginnen und zu Punkt B wandern – oder andersrum. A ist die Gebirgshütte La Maline, dort soll es für uns losgehen. Das bedeutet aber, dass wir zuerst an Punkt B (am Point Sublime) ein Fahrzeug  deponieren müssen. Also wird die Holda an Punkt B ausgepackt und darf dort brav auf uns warten. Wir fahren mit dem Klaus gut 30km weiter, bis zu Punkt A, der am Rand der Route des Crêtes liegt. An der Gebirgshütte steigen wir in die Schlucht ein und ich freue mich bereits jetzt, dass wir die Route A-B gewählt haben. Zwar empfiehlt der Wanderführer die Gegenrichtung bei nicht vorhandener Schwindelfreiheit, aber das haben wir ja nicht;). Es geht erstmal nur abwärts und abwärts, bis zum Grund der Schlucht – von 900m auf 550m herunter. Da wollte ich nicht unbedingt am Schluss nach oben steigen. Dementsprechend geplagt sehen auch diejenigen aus, die uns hier keuchend entgegenkommen;)  

Mit einiger Wahrscheinlichkeit sind wir auch heute mit die letzten, die loslaufen. Das können wir gut und bringen es in diesem Punkt fast schon zur Perfektion. Aber noch haben wir genügend Zeit. Je nach Quelle soll es 5,5h bis 7,5h dauern, diesen Weg zu gehen. Es ist kurz nach 12:00, um 19:30 geht die Sonne unter, das sollte passen…. Ansonsten haben wir ja diesmal auch noch Stirnleuchte und Taschenlampe dabei, denn ohne die geht es in den Tunneln nicht!

Der Weg führt uns ganz herrlich durch Eichenwald und zarte Frühjahrsblüten, aber auch über lose Geröllfelder und immer entlang dem Flussbett des Verdon. Rechts und links türmen sich gigantisch die Felswände auf, an manchen Stellen sind es in die Höhe bis zur Oberkannte der Schlucht 400m. Nebenan aufragende Berge machen die ganze Aussicht noch dramatischer. Es geht gut voran bei uns und dann haben wir auf halber Strecke die Möglichkeit, noch eine halbe Stunde draufzupacken und an der „Carrefour de la Mescla“, kurz nach der Baume aux Boeufs (Ochsenhöhle), einen Abstecher zum Zusammenfluss der Flüsse Verdon und Artuby zu machen. Gesagt, getan. Am Zusammenfluss ist alles ganz lieblich, so machen wir auf einer Felsnase Rast und ich schaue sehnsüchtig den richtig großen Forellen hinterher ….. am Ende ist aus der halben eine ganze Stunde geworden, aber es ist immer noch alles im grünen Bereich.

Weiter geht’s, jetzt müssen wir steil nach oben, es fand sich für die Erbauer des Wanderwegs kein Weg am Flussbett entlang. Der Canyon wurde 1905 von dem Höhlenforscher Martel in drei Tagen erstbegangen. 1920 wurde, nach 3-jähriger Bauzeit, der vom Touring Club de France installierte Wanderweg  eröffnet. Um durch die große -den Couloir Samson- zu gelangen, nutzt die Wanderstrecke zwei von sieben Stollen, die für ein ehemaliges Wasserkraftwerk-Bauvorhaben in die Berge getrieben wurden. Nach Abbruch des Bauvorhabens während des ersten Weltkriegs verfielen die meisten Tunnel und sind heute (eigentlich) nicht mehr zugänglich.

Deshalb müssen alle, die den Weg gehen, von der halben Höhe des „Brèche Imbert“ wieder in die Tiefe der Schlucht absteigen (außer im Notfall oder bei Gewitter – dann ist doch der längste Stollen, der Tunnel von Gègue, zu nutzen). Ohne Hilfsmittel geht es hier nicht. Für den fast senkrechten Abstieg wurden hier Metallleitern zwischen den engen Felswänden verankert.
Das ist hier die Stelle, die, von A nach B begangen, gewisse Anforderungen an die Schwindelfreiheit stellen will;) Aber es klappt gut und ich bewundere diejenigen, die hier draußen diese Metallleiter-Konstruktionen erstellt und verschweißt haben. Tolle Leistung!  
Gut für uns ist, dass wir hier keinen Gegenverkehr haben, so lassen sich die 250 steilen Leiterstufen relativ entspannt nach unten gehen. Außerdem wurden die Leitern vor einigen Jahren überholt, es fühlt sich alles stabil an:)

Dann geht es vom Flussbett wieder aufwärts und abwärts, an der Höhle der Hirondelles (Schwalben) und der „Baume aux Chiens“ vorbei. Nach etlichen km erreichen wir die beiden schon beschriebenen Tunnel, ohne die es nicht weitergeht. Der erste ist gut 100m lang und man sieht wortwörtlich Licht am Ende des Tunnels. Der zweite ist 670m lang (nach anderen Quellen auch noch viel länger;)) und es wird zappeduster. Mit Stirnlampe klappt es ganz gut, der Boden ist aber sehr steinig und uneben – und pfützennass. Ein Vergnügen ist es nicht…

Die Tunnel bedeuten auch das nahe Finale des Weges in unserer Richtung A nach B. Kurz vor den Tunneln steht für die Leute, die aus der Gegenrichtung kommen (also von B), auf einem großen Warnschild, dass hier „Schluss mit lustig“ sei:

Warning!
End of easy footpath.
Difficult and dangerous stretches for the next 13km, with no escape route.
The Blanc-Martel Path runs in one direction only …
Suitable only for properly equipped and experienced hikers.

Na, da weißte doch Bescheid!
Und wir sind am Ziel nicht der Ansicht, dass der gute Kilometer, den die Wanderer aus der Gegenrichtung bis hier zurückgelegt haben, ein „easy foothpath“ sei;)

Umso erstaunlicher ist daher eine Begegnung, die wir mitten auf dem Weg hatten: Tröpfelweise und sehr weit auseinandergezogen kommt uns eine Schülergruppe ca. Sechzehnjähriger entgegen – sehr ambitioniertes Vorhaben!. Zuerst die Strebsamen mitsamt Lehrer, viertelstundenweise später die Raucher, dann die Pärchen, hintendran die Nerds und die, die eh keine Lust haben …. und dann kommt, bereits mit gut halbstündiger Verspätung, eine weitere, gemischte Truppe. Diese sammelt sich rund um ein Mädchen mit Krücken! Völlig absurde Situation, das kann eigentlich gar nicht funktionieren. Aber irgendwie schleppen und tragen die anderen die Krückenläuferin mit. Mehr als fragwürdig die ganze Aktion, aber andererseits auch wieder bemerkenswert. Lehrerseits unverantwortlich, aber solange es gutgeht …..    

Meanwhile, back in the tunnel: Hier, mitten in der Finsternis öffnet sich plötzlich eine Galerie zur Seite, von der ein herrlicher Blick in die große Engstelle des Canyons -den Couloir Samson- frei wird.
Endlich aus dem Tunnel heraus und wieder im Tageslicht angekommen, öffnet sich die Sicht auf die hohen Felswände und darüber kreisen wieder die Geier souverän in der Thermik – ein fantastischer Anblick!

Dann geht es noch ein paar einfachere Treppen hinunter und Stufen hinauf und wir sind an unserem Ziel angekommen, dem Parkplatz unterhalb des Punktes B, am Point Sublime. 6 Stunden haben wir gebraucht und dabei war noch eine Stunde Abstecher drin (und gefühlte 30 Minuten Fotozeit;)). Nicht schlecht, oder;)

Holda wartet brav an Punkt B auf uns und ist natürlich das letzte Fahrzeug auf dem Parkplatz. Nun aber los – es wird saukalt am Abend und wir müssen noch etliche Km fahren, um zum Klaus zu kommen (der ja bekanntlich an Punkt A auf uns wartet). Bettina setze ich im nächsten nennenswerten Ort ab, dort hat genau eine Kneipe offen. Dann brause ich über die Route des Crêtes, einer üblen Schlaglochpiste, in Rekordzeit zum Klaus, packe schnell die Holda ein und heize mit Klaus und Holda zurück nach La Palud sur Verdon, wo Bettina schon leicht ungeduldig im Café sitzt und sich dezent darüber beschwert, wo ich denn die ganze Zeit bleiben würde! Häh? Da hab‘ ich mich nach Kräften bemüht und war ganz stolz auf meine Bestzeit, aber hier kommt das  nicht an…

Möglicherweise liegt es aber auch an dem Haar in der Suppe, das hier allerdings eine Ameise im Tee war – siehe ganz oben.
Bettina meint, hier ganz sicher nicht Abend essen zu wollen, wofür ich Verständnis habe. Hier gibt es aber nichts anderes und Essen machen will von uns ganz bestimmt auch keiner mehr. Nach einigem Überlegen wagen wir es doch, denn im festen Mahl würden wir die Ameisen ja ohnehin kaum ausmachen können;)
Es wird dann doch ganz gut und ein ehrliches Essen, denn die Kneipe dient als Stützpunkt der Kletterer-Gilde, die eindeutig das Gros der Touristen im Örtchen bildet. Einen Heizstrahler gibt es auch, da lässt es sich aushalten, hier auf 900m Höhe, in La Palud sur Verdon. M
üde fallen wir später ins Bett, dass praktischerweise gleich 50m neben der Kneipe parkt. In der Nacht geht die Temperatur abwärts, es fällt auf ca. 3°C ab, aber im Klaus bleibt es warm:)  

 

                        

        

Tag 201: Ostersonntag und es regnet mal wieder

B: Es regnet, da hab ich einfach keine Lust vor die Hütte zu gehen. Martin schon. Er macht eine Wanderung alleine. Als er zurück ist, machen wir noch eine spektakuläre und teure Waschaktion zusammen. Spektakulär, weil wir dafür mehrmals mit der Holda und der Wäsche vom Campingplatz zum Waschsalon und wieder zurück düsen. Teuer, weil hier pro Maschine waschen oder trocknen knackige 6 Euro aufgerufen werden. So luxuriös haben wir bisher noch nie gewaschen. Kein Wunder hatten wir vorher erfolglos nach einer Preisangabe im ganzen Waschsalon gesucht. :/

M: Jaja, der Waschsalon mitten im Ort Castellane und der Campingplatz außerhalb. Es ist längst dunkel, wir sind wieder in den Bergen und es wird hier im April noch richtig kalt in der Nacht. Gefühlte 25 Ladungen Wäsche, die hin und her transponiert und in den Automaten bedient werden wollen. Danach sind wir selbst bedient …

Die Wanderung am Tag führte mich immer wieder durch Regen, Sonne, Nebel und von Castellane aus hinauf zum Stausee Lac du Castillon. Oben angekommen, gibt es zu bestaunen:
W
eiterhin meist schlechtes Wetter, einen recht leeren Stausee und eine lustige Polizeipatrouille;) Am Ostersonntag wurden wohl vom örtlichen Polizeichef 3 widerspenstige Nachwuchskräfte in die Einsamkeit der Landstraße um den Stausee zum Blitzen geschickt. Und so stehen sie denn mit Laserpistole im Regen, weithin für alle potentiellen Geschwindigkeitssünder sichtbar und büßen (für was auch immer). Ich will sie mal aufheitern und jogge mit Rucksack am Messgerät vorbei. Finden sie aber nicht sooo lustig. Na gut.   

Auf dem Rückweg sehe ich mal wieder ’ne prima Immobilie: Ehemalige Schäferei in bester Hanglage über dem Tal von Castellane. Da ist wohl vor ein paar Jahren noch mal was gemacht worden, jetzt steht sie aber leer und verfällt – oder findet einen Liebhaber…

Am Ende will ich eigentlich noch zur Kapelle „Notre Dame du Roc“ weiterwandern, dem weithin sichtbaren Wahrzeichen hoch über Castellane (um dann dort den tollen „Vue du Roc“ zu genießen), aber das wird heute nix mehr mit dem Wetter – und dann sollen 10km hoch und runter auch mal reichen – es warten ja auch noch ganz irdische Arbeiten (s.o.) ….        

Tag 200: Markt in Castellane & Abenteuer in der Verdonschlucht

B: Heute ist Wochenmarkt in Castellane und auf Märkte stehen wir ja, wie gesagt. Und dieser hier ist jetzt mal wirklich klasse! Außer dem ganz normalen Obst und Gemüse, gibt’s hier: Käse naturellement, Honig, Weine, und für Martin Würste und Schinken, hausgemachte Pasten (ich kaufe eine aus Artischocken), Seifen, Öle,…. Nachdem wir uns mit unterschiedlichen Köstlichkeiten eingedeckt haben und wieder heimgefahren sind, haben wir tatsächlich noch Zeit für eine Wanderung.

M: Prozessionsspinner-Raupenketten, Geier, Wildschwein und Schlange – das sind die Zutaten unserer heutigen Wanderung an der Verdon-Schlucht.

Mit der braven Holda fahren wir 20km bis unterhalb des Point Sublime, der ebenfalls Ausgangs- oder End-Punkt des Wanderklassikers Grand Randonnée (GR) 4 ist. Den GR4 wollen wir auch noch „machen“ – aber das wäre heute entschieden zu viel und zu spät, denn der GR4 führt komplett durch die Schlucht und bietet über 13-14km keine „Ausstiegsmöglichkeit“. Also wählen wir kurz vor dem Einstieg in den „Samsonkorridor“ (einer Engstelle des Verdon zwischen hohen Felswänden) einen anderen Weg, der uns erst zum Flussufer bringt und uns dann schnaufend und stetig auf der anderen Schluchtseite nach oben und innerhalb von ca. 2h auf den Aussichtspunkt „Rancoumas“ führen wird, von dem man dann wiederum grandiose 400m in die Tiefe der Schlucht mit dem Verdon und dem GR4 blicken kann.

Erst mal geht es aber abwärts bis zum Fluss. Immer der gleiche Mist bei den Bergwanderungen – es geht dauernd hoch und runter …. aber schon die „Pont de Tusset“, die alte einbogige Brücke des Herdenauftriebspfades über den Verdon ist nach kurzem Abwärtsgang ein erster optischer Höhepunkt. Hier kann man sich die Hirten und ihre Herden leicht vorstellen, wie sie im Sommer auf ihrem Zug zu den Bergweiden unterwegs waren. Der Gebirgsfluss Verdon glitzert –extra für uns, oder?- herrlich in der Sonne, rauscht und wirkt – im Zusammenspiel mit den hohen Bergen, die er tief in der Schlucht durchschneidet, ist das alles eine grandiose Gesamtkomposition. Es ist kaum möglich, sich an dem ganzen Bild sattzusehen. Aber wir haben ja noch was vor. Also aufwärts. Von ca. 650m Höhe soll es auf max. 1136m hochgehen. Der Weg bekräftigt diese Angaben und lädt zum ständigen Schnaufen und Japsen ein (zumindest geht es mir so, Bettina macht dagegen mehr so den Gazelleneindruck…). Durch alte Wälder geht es auf steinigem Pfad kräftig nach oben und dann wieder ins Sonnenlicht. Irgendwann fallen uns Raupen auf, die in Ketten verbunden wortwörtlich unseren Weg kreuzen. Bloß nicht drauftreten! Aber das ist gar nicht so einfach, denn es sind recht viele Raupen-„Züge“ kreuz und quer unterwegs. Noch nie vorher sowas gesehen, da sind wir uns einig. Komisches Verhalten, oder? Später erfahren wir, dass es sich um die Raupen des Prozessionsspinners handelt, die z.B. überall in Südfrankreich auftreten und vorher in gesponnenen Nestern auf Baumspitzen auf ihren nächsten Lebensabschnitt gewartet haben. Dann krabbeln sie in Ketten die Bäume herunter, laufen z.B. uns vor die Füße und werden dann zu einem grauen Falter. Als Raupen allerdings sind die kleinen Viecher recht giftig – gut, dass wir keinerlei Drang verspürten, sie zu streicheln;)

Es geht weiter, über Stock und Stein und begleitet von viel Sonne und Wärme auf den Steinpfaden. Häufig raschelt es vor und neben uns – klar, das sind die sich sonnenden Eidechsen, die wir aufscheuchen. Irgendwann scheuchen wir aber noch ein anderes Reptil auf – schaut mal auf das Foto, mit dem ich gerade noch einen sich wegschlängelnden Teil des Tiers eingefangen habe;)

Später, an einer Kreuzung im Wald, geht es dann lt. Wanderführer rechts ab und später wieder rechts. Das erste „rechts“ finden wir. Das zweite „rechts“ auch. Aber dieses erst, nachdem wir nochmals ‘ne halbe Stunde weitergelatscht sind und dann zu der finalen Überzeugung kommen, dass weit vorher doch schon ein „rechts“ hätte sein können. Nachdem es dann neben uns, ein paar Büsche weiter, auch noch im Unterholz erschrocken grunzt und gleich darauf das Getrampel von einem größeren Tier –Wildschwein!- deutlich wird, gehen wir lieber mal zügig zurück, um noch bei Tageslicht an den grandiosen Aussichtspunkt und auch heil wieder zurück zu kommen.

Was die Wanderei in die Nacht hinein anbelangt, haben Bettina und ich schon so unsere gemeinsamen Erfahrungen gesammelt, die dann auch regelmäßig von leichten Uneinigkeiten begleitet waren. Das ist also zu vermeiden. Würden wir schnurstracks retour gehen, dann wäre es heute kein Problem, noch im Hellen zurück zu sein. Aber der Aussichtspunkt lockt. Und der ist ein gutes Stück ab des Weges. Hmm….. egal, auf geht’s. Wir nehmen den Weg, der sich als „rechts“ auch vorher schon angeboten hätte (wenn nur M: auf B: gehört hätte) und treffen dann mitten auf einem schmalen Pfad auf den hingesprayten Hinweis „Belvedere de Rancoumas“. Na also, geht doch. Und es lohnt sich dann auch richtig: Ein gigantischer Blick öffnet sich, wenn man sich weit über den Felsenrand herauslehnt (weshalb auch im Wanderführer der Hinweis stand: „Nur für schwindelfreie Personen empfohlen“). Tief, tief nach unten blickt man, bis um Flussgrund sind es 400 Höhenmeter. Etwas oberhalb des Flusses, der hier den engen Samson-Korridor verlässt, sieht man parallel den GR4 verlaufen – da kommen wir bald auch noch hin. Uns gegenüber tun sich die gigantischen Felswände der „Escalès“ auf. Dort wird eigentlich immer geklettert, nur heute nicht. Ob wir wohl irgendwie etwas spät dran sind? Also, Panorama tief einsaugen und abwärts.

Auf dem Rückweg noch schnell die imposanten und in der Verdonschlucht wieder heimischen Geier auf ihrem Thermikflug hoch oben bewundern und zügig abwärtsmarschieren. Wir kommen noch in der frühen Dämmerung bei der wartenden Holda an, erleben mit den letztem Glühen der Sonne noch einen echten Hingucker an einer senkrechten Felswand (als würde der Fels golden brennen) und sind in Castellane zurück, als gerade das letzte Tageslicht ausgeknipst wird.

Da keiner von uns noch Luft und Lust aufs Kochen hat, gibt’s heute „auswärts Warm“. Über das Essen in der Pizzeria am Marktplatz von Castellane hüllen wir aber lieber einen gnädigen Mantels des Schweigens ….

Trotz der Pleite am Schluss: Ein wirklich voller und schöner Tag – mit Wetterglück!

Markt in Castellane:

GR 49 – die Wanderung:

Tag 199: Durch Cannes auf der Route Napoléon nach Castellane

B: Unsere Reise geht weiter. Ein bisschen schade finde ich es, mich aus dieser Komfortzone herauszubewegen, die wir hier in Beaulieu haben. Am Ende ist aber die Wasserbeschaffung, die Martin gewöhnlich (M: Nein, immer!)übernimmt, doch echt mühsam geworden. Ab und zu braucht es eben einen gescheiten Stell- oder Campingplatz, damit die Ver- und Entsorgung reibungslos funktioniert. Und es soll ja auch weitergehen, es gibt noch viel zu sehen von dieser schönen Welt.

In der Verdonschlucht soll es diesen einmaligen Canyon und ganz besondere Wanderwege geben. Ein bekannter Ausgangspunkt für Wanderungen ist der Ort Castellane – da wollen wir heute hinfahren. Cannes ist unser Zwischenziel, das wir aber wie Safaritouristen nur aus dem Wagen heraus anschauen – selbstverständlich mit gezücktem Fotoapparat. Das tun wir dann auch und reichen uns die Kamera hin und her beim Fahren durch den gottseidank etwas langsamen Verkehr auf der Hauptstraße. Nach Nizza und Monaco ist mein Bedarf an großen Cote d’Azur – Städten gerade gedeckt, so reicht mir das völlig.

Beim Weiterfahren kommen wir durch Grasse, die berühmte Parfumstadt Frankreichs, die ganz sicher auch sehr sehenswert ist. Hach, man muss hier und da halt leider was links liegen lassen.

Im Hinterland der Cote d’Azur ziehen schnell reizvolle Landschaften die Aufmerksamkeit auf sich, sofern man nicht auf dem Beifahrersitz schläft (also ich). Castellane liegt traumhaft schön, ist ein völlig unaufgeregter, kleiner Ort, alt, gewachsen, biedert sich nicht an und man sieht gleich, dass hier ganz andere Touristen, als an der Küste, erwartet werden. Noch haben nicht alle Campingplätze geöffnet, so landen wir auf dem ‚Le Pesquier‘. Simpel ist er, aber mehr brauchen wir nicht. Die Saison ist erst gerade eröffnet, vielleicht liegt es daran, dass Madame für das Einchecken pro sich anmeldendem Camper in der Warteschlange eine halbe Ewigkeit braucht. Martin und ich merken – all die Monate des Herumreisens haben uns nicht zu geduldigeren Menschen gemacht. Wir beziehen unseren Platz und Martin geht los, den Ort ein wenig zu erkunden. Später machen wir noch einen gemeinsamen Spaziergang an einem kleinen Bach entlang weiter bis zum Ort und dann zurück zum ‚Le Pesquier‘. So schön ist es hier!

M: Jaja, die Verdonschlucht – oder auch, viel dramatischer: Der Grand Canyon du Verdon (und französisch-offiziell: Gorges du Verdon) ist ein tolles Schauspiel. Bis zu 700m tief ist der Canyon und 21 km lang. Die Berge rundum sind bis zu 1.900m hoch.

Am unteren Ende der gigantischen Schlucht mündet der Verdon in den Lac de Sainte-Croix, einen bekannten und beliebten Stausee. Dieser See war auch der Endpunkt einer Mopedtour mit Claus (auf XT 500 und bayerischer Gummikuh). Dort haben wir vor ca. 28 (?) Jahren völlig unerlaubterweise einen netten Platz am See gesucht und gefunden und sind dann 2 Tage ganz faul dort geblieben. Am 3. Tag kam über den See ein Boot geschippert – am Bug (stehend wie ein Admiral vor der Schlacht!) ein französischer Polizist, der uns vom Boot aus unmissverständlich des Feldes verwiesen hat. Wir haben uns dann 10m weiter weg vom Ufer hinter die Büsche geschlagen und sind noch 2 weitere Tage geblieben. Und nicht mehr erwischt worden (Abenteuer halt;).

Noch einmal war ich vor vielen Jahren dort am See, da ist dann auch wieder was gehörig schiefgegangen. Aber das ist eine andere Geschichte….

Jedenfalls freu ich mich schon auf ein paar schöne Tage mit und an der Schlucht! Kaufe im Ort gleich einen kleinen, aber hervorragend gemachten Wanderführer mit 30 einzeln heraustrennbaren Routen – alles auf (wasser-)festem Karton. Gibbes auf Englisch, Französisch, Deutsch usw. Für jeden etwas;) Und kostet nur € 5,50. Mit Karten, Bildern, Weg- und sonstigen Beschreibungen und GPS-Daten. Vom französischen Verlag Editions AIO. Nie gehört vorher, aber das Heft ist toll gemacht. Eine hervorragende Investition, die sich bald lohnen wird:)  

Hierher gekommen sind wir über die RN 85, also die Route Nationale 85 – besser bekannt unter dem Namen Route Napoléon. Diese Nationalstraße führt auf historischer Route von Cannes durch herrliche Landschaften in Südfrankreich bis nach Grenoble. Für mich durchaus eine Traumstraße. Allerdings ist es wie mit der legendären Route 66 (bäh, Harleys), denn tw. existiert die RN 85 nicht mehr im Original oder trägt auf Teilstrecken jetzt andere Namen, z.B. RN 2085 usw…..   

Im Sommer ist die RN 85 oft Teilstrecke der Tour de France. So wird sie auch in diesem Sommer direkt vor der Haustür unseres  Campingplatzes vorbeiführen. Dann sind wir aber  garantiert nicht mehr da. Mal sehen, vielleicht erleben wir die Tour 2015 andernorts…