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Tag 213: Cassis

B: Beim Rausschauen heute früh müssen wir feststellen, dass es sehr wohl gute Gründe für die vielen Parkplätze hier am Ende dieser Straße in Cassis gibt. Deutliches Stimmengewirr weist darauf hin, dass wir an einer Schule geparkt haben, deren Eingang wir gestern Abend nicht gesehen haben, so unscheinbar ist er. ALLE Parkplätze sind besetzt und wir belegen einige davon 🙁 Aber wo sollen denn dann die angegebenen Stellplätze sein? Die Antwort bekommen wir von der freundlichen Politesse, die dann vorbei kommt, um uns zu sagen, dass wir hier nicht bleiben können. Sie zeigt uns, wo diese Plätze sein sollen. Wir finden sie sind schwer zu erkennen – es sind etwas größere Parkplätze geziert von weißen Schriftzügen (Camper), die ein paar Meter weiter weg von der Schule liegen.

Nicht weit von hier ist ein Campingplatz, der ‚Camping Les Cigales‘. Ich bin, wie so oft, erst mal skeptisch. Wie, der hat nur 2 Sterne? Da werden ja die Toiletten entsprechend aussehen! Martin redet in solchen Fällen sanft auf mich ein und meint, wir könnten doch mal schauen. Der Platz ist völlig ok, und bald lerne ich auch den netten Putzmann kennen, der Stunden am Tag damit zu verbringen scheint, Duschen und Toiletten mit dem großen Wasserschlauch zu reinigen, immer bester Laune und mit jedem zu einem Schwätzchen aufgelegt. Ich weiß jetzt auch, dass er die Deutsche Nationalmannschaft klasse findet 🙂 Nach unserem Frühstück erkundet Martin erst mal alleine die Stadt Cassis und später machen wir noch einen gemeinsamen Gang dort hin. Mit dem Fahrrad hier in den Ort zu fahren ist keine gute Idee, außer jemand quält sich gern hinterher den Hang wieder rauf. Aber laufen geht gut. Cassis kann lässig mit St. Tropez mithalten, so schön ist es! Nur ist es nicht ganz so aufgetakelt an seinem kleinen Hafen. Es hat alles, was so ein Städtchen am Meer braucht: den Hafen mit Cafés und Restaurants, kleine Gassen, wunderschöne Häuser, kleine Läden und sogar einen Strand. Nicht weit davon ist die gut ausgestattete Touristinfo. Da holen wir uns v.a. eine Wanderkarte für die Calanques, zu denen es von hier aus geht: kleine Fjorde, die man sich erwandern kann.

M: Auch hier wieder: Calanques? Nie vorher davon gehört. Das mit den Fjorden ist der eine beschreibende Aspekt. Der andere ist, dass es sich auch wieder um ein kleines Gebirge handelt – wie das Massif de l’Esterel, das wir vor einigen Tagen kennengelernt haben. Und obwohl zwischen beiden Felsansammlungen gerade mal 100km Luftlinie liegen, sind sie so unterschiedlich, wie sie nur sein können…
Naja, auch die Calanques wollen wir in den nächsten Tagen für uns erschließen, dann mehr dazu.

Nochmal zum nächtlichen Stellplatz: Es war also eine Schule, die sich am Vorabend in der Nacht höchstens als ausbruchssicheres Schwererziehbaren-Heim dargestellt hat … und das mit dem kleinen Tor und dem Stacheldraht obendrauf ist genau das: Der Eingang zum Pausenhof. Fragt sich nur, ob da keiner rein oder raus soll?
Hm, dass die kommunale Ordnungsamt-Mitarbeiterin eine „freundliche“ Politesse gewesen sein soll, bezweifle ich als derjenige, der mit ihr Kontakt hatte. Die gute Frau kam mit ziemlich Dampf auf uns zu, nachdem sie offenbar erst mal in der Schule informiert wurde, dass wieder so ’ne Camperdeppen (also wir) auf den regulären Schulkörperparkplätzen stehen würden. Erst nachdem ich ihr zeigen konnte, dass das von ihr bemühte Camper-Verbotsschild bei der Anfahrt kaum/
schlecht/nicht zu sehen sei, wurde sie etwas angenehmer und erst nachdem ich mich gelehrig zeigte in Hinsicht auf die korrekte Positionierung unseres Klaus, konnte man ihr das Attribut „freundlich“ verleihen;) Allerdings haben wir uns dann nicht mehr dahin bemüht, sondern sind gleich zum Campingplatz weitergefahren.

Es ist schon seltsam: Wo noch vor zwei Tagen etwas weiter östlich an der Côte d’Azur in Agay, in St. Raphael und auch in St. Tropez definitiv Vorsaison war, ist hier in Cassis schon mächtig was los.
Beweis: Die Restaurants und Cafés rund um den Hafen sind proppenvoll, auf dem Markt herrscht Betrieb, der Verkehr kommt zum erliegen, als Parkplatz muss jede noch so ungeeignete freie Restfläche herhalten = Saison!      

 

Tag 125: Die Meteora-Klöster und eine Entscheidung

B: Wir wachen also direkt vor dem größten der Meteora-Klöster auf. Es heißt Megálo Méteoro (oder auch Metamórphosis), aber zunächst sehen wir eher wenig Großes  beim Rausschauen aus unserem Schlafzimmerfenster. Nebelschwaden ziehen vor die Felsen und Klöster, nur manchmal lässt sich das Kloster Varlaám für einen Moment blicken. Aber es reicht noch nicht für ein anständiges Foto. Hach, und wieder mal find ich es ganz prima, dass wir im Januar an so einem spektakulären Platz sind (trotz des Wetters), denn außer uns sind da nicht viele Leute. Der eine Bus mit den asiatischen Touristen ist schon wieder abgereist, bevor wir mit Frühstücken fertig sind :). Gut, dass Martin mir noch aus dem Internet vorgelesen hat, dass Frauen in den meisten Klöstern Röcke tragen müssen, sonst bekommen sie eine Schürze zum Tragen am Eingang ausgehändigt. Ich trage also Rock und kann ohne so ein albernes Ding durch die Anlage schlendern. Dieses Kloster ist in einem so guten Zustand, dass es eine Freude ist, sich den ganzen Bau anzusehen (also das, was wir davon sehen dürfen, etliche Räume sind natürlich ‚private‘). Im Klostershop hätten wir kleine Devotionalien, Räucherwerk, Bücher und etliches andere kaufen können. Im Klaus ist aber Gottseidank kein Platz für Hinstellerchen. Auf den Geschmack gekommen, fahren wir noch ins nächstgelegene der Klöster. Nicht alle sind bewohnt, bzw. besuchbar. Und jedes hat seine eigenen Öffnungszeiten. Es ist also pures Glück, dass heute beide von uns favorisierten offen sind. Das zweite, Varlaám, hat aber nur noch eine viertel Stunde geöffnet, als wir dort ankommen. Viel mehr Zeit brauchen wir dafür aber auch nicht, denn man kann nicht viele der Räume dort besichtigen und am Renovieren sind sie auch. In der Kirche zeigt uns ein älterer Herr einen Kronleuchter, in den Straußeneier integriert sind! Ein Teil der anderen Klöster sehen wir noch von außen. Danke Franz und Elfi, der Besuch hat sich wirklich gelohnt!

M: Für mich völlig irre ist die Landschaft, in der die Klöster und Einsiedeleien von Meteora auf die Felsen gebaut wurden! Am Vorabend sind wir im Dunkel lange Zeit durch eine Ebene gefahren und irgendwann türmten sich wie aus dem Nichts senkrecht in die Höhe steigende Felsen auf. Ab dem Ort Kastraki ging es steil nach oben, vom Tal aus werden starke Scheinwerfer an die Felsen gerichtet und sorgen für eine seltsame Atmosphäre.  Irgendwann konnte man in der Dunkelheit ahnen, welche aberwitzigen Bauten auf völlig unmöglichen Plätzen Menschen dort über die Jahrhunderte errichtet haben.

Wir fuhren bis zum letztmöglichen Halt und haben den Klaus auf dem Parkplatz vor dem größten Kloster abgestellt. Ein anderes Wohnmobil stand da noch, alle Fenster längst zu. Ansonsten war es stockfinster und bald richtig kalt. Unser persönlicher Wachhund stand auch schon bereit und bekam anderntags von Bettina seinen Futterlohn.

Was für eine wundervolle Welt in der Nacht! Das wenige Licht von Mond und vom Tal reichte aus, um sich bereits die einmalige Landschaft am nächsten Morgen vorstellen zu können – ich kann durch Klaus‘ offene Fenster gar nicht genug kalte und klare Nachtluft atmen und mir die Augen in der Dunkelheit vor lauter Großartigkeit kaum sattsehen…

Anderntags: Tja, dumm gelaufen – nix isses mit all der Herrlichkeit, nur eine einzige Nebelsuppe – mal mit 15m, mal mit 50m Sichtweite …. Bitte entschuldigt daher die heftig nachbearbeiteten Meteora-Fotos. Anders ging es nicht, um überhaupt was verwertbares zu bekommen.

Megálo Méteoro (Metamórphosis), das mit 60.000m² Gebäudefläche größte der ehemals 24 Klöster und Einsiedeleien (nicht mehr alle sind erhalten) ist eine Pracht. Kaum vorstellbar, dass das auf einem solitären Felsen gebaute Kloster bis weit ins 20. Jahrhundert tatsächlich nur über Strickleitern oder Seilwinde erreichbar war. Da haben wir es doch leicht, eine schmale Brücke überquert heute die Schlucht zwischen den Felsen und ein enger Gang führt durch den Fels auf eine Treppe nach oben in den Eingangsbereich. Spannend die kleinen Ausstellungen und Museen im Kloster, die sowohl das alltägliche Leben als auch religiöse Preziosen zeigen. 

Aus jedem neuen Blickwinkel atemberaubend ist die Lage der einzelnen Klöster. Es ist, als hätten die Erbauer sich gegenseitig darin übertrumpfen wollen, immer aberwitzigere Plätze auf den Sandsteinfelsen mit Klöstern zu besetzen. Mein Favorit ist Rousánou (Arsánou): Von der Schokoladenseite aus betrachtet, scheint es direkt auf des schmale Felsplateau mit der Kelle draufgeklatscht zu sein – auch dieses Kloster ist noch bewohnt, es ist heute ein Frauenkloster (mit geschickt kaschiertem Trivial-Anbau auf der „harmlosen“ Felsenrückseite).

Nachdem wir dann aus der Klosterwelt nach und nach wieder in die weltiche Welt abwärts gefahren sind, stand endgültig die große Entscheidung an: I oder I? Istanbul oder Italien? Die Entscheidung fällt uns heute leicht (gestern war das noch anders): Wir sind GR-satt. Also kein Thessaloniki mehr, auch nicht Athos oder Chalkidiki – dementsprechend auch kein Istanbul. Italien stattdessen. Es ist 16:00 und das Navi meint, dass wir locker heute noch in Igoumenitsa (Dem griechischen Fährhafen nach Italien) ankommen können. Und womöglich im gleichen Atemzug auch übersetzen können. Und dann geht es auf einmal ganz schnell – nach zwei Monaten Griechenland sind wir auf einmal ruckzuck in Italien.          

    

Tag 76: Mystra – historische Großstadt

M: Mystras (oder Mystra) – eine untergegangene Großstadt aus alter Zeit, angesiedelt auf einem steilen Vorberg des Taygetos-Gebirges. Zuerst wurde von Kreuzrittern (die mal wieder…) im 13. Jahrhundert eine Burg errichtet, die das Tal von Sparti überwachte. Dann kloppten sie sich mit den Truppen von Byzanz, verloren und mussten Mystra abliefern. Die Menschen aus dem nur wenig entfernten Sparti hatten irgendwann die Schnauze von den ganzen Kreuzrittern „in the town“ voll und zogen reihenweise um nach Mystras – dort gab es immerhin die starke Festung, in deren Schutz und an deren Hang sie sich ansiedelten. Es entstand eine Stadt, die irgendwann mehrere 10.000 Einwohner zählte und als kulturelles Zentrum der Region galt. Später kamen dann die Osmanen und darauf die Venezianer und erklärten Mystras jeweils zu ihrem Ding. Als dann die Griechen im 19. Jh. ihren eigenen Freiheitskampf führten, ging die Stadt leider komplett zu Bruch und anschließend hatte keiner mehr die Lust zum Aufbau. Es gab ja noch Sparti, das man vor Hunderten von Jahren aufgegeben hatte und das nun wieder aufgehübscht wurde.

So bietet sich Mystras heute als Ruinenstadt dar, wie alle griechischen Dings allerdings täglich nur bis längstens 15:00. Danach isses nur noch ne geschlossene Ruinenstadt. Da wir aber direkt vorm unteren Tor übernachteten, waren wir bereits kurz vor 12:00! am Eingang:))) 3 Stunden Zeit für Mystras bedeutet eine stramme Tour, den Berg hoch und runter. Dabei eine Kirche nach der anderen bewundern und über die gigantischen Ausmaße der ehemaligen Stadt staunen. Staunen allerdings auch darüber, wen oder was die Leute geritten hat, ausgerechnet an diesem steilen Hang zu siedeln – wo es doch vor der Nase herrliche, fruchtbare Ebenen gibt. Der tolle Ausblick alleine wird es nicht gewesen sein, aber vielleicht ging es wirklich ganz banal um Angst und Schutz. Die „Straßen“ in der Stadt waren so steil und eng, dass für Karren und Wagen da nix ging. Es ist auch heute immer noch steil im Ort, immer noch höher geht es hinauf, der Blick über die Ebene wird immer gigantischer und dann ist auch schon das nächste Highlight in Sicht – der ehemalige Herrscherpalast, der Sitz des Despoten. Aber leider: Geschlossen, wird gerade neu aufgebaut (Renovierung würde den Umfang nur unzureichend beschreiben). Irgendwelche Informationen gab es dazu vorab nicht. Also noch bis zur eigentlichen Festung hochgekämpft und alles noch mal von oben genossen und dann beim Abstieg gemerkt, dass es schon 14:50 ist. Ähm, in 10min klappt das nicht nach unten ….. so um 15:15 gleiten wir dann elegant nach draußen, denn die Angestellten stehen noch zum Plausch versammelt vorm Tor; Schlüssel bereits in der Hand.

Tag 75: Taygetos-Gebirge

B: Nachdem wir morgens in Kalamata noch ein paar Dinge erledigt haben –  Martin auf der Suche nach einer Bäckerei, ich beim Shoppen in einem !Bioladen!, fahren wir nach dem Frühstück weiter.

M: Unser Weg führt uns heute von Kalamata ins Taygetos-Gebirge – zu unserem Tagesziel, der vergangenen Großstadt Mystra.

Mystra oder Mystras. Oder was sich sonst noch so an Schreibweisen anbietet. Denn das ist schon phänomenal, was so alles passiert, wenn Namen von Städten oder Stätten vom griechischen Alphabet in die uns vertraute lateinische Schrift übertragen werden. Sehr hilfreich z.B., wenn man Zeile ins Navi eingaben will. Beim 4. Versuch klappt’s meistens (Tipp aus Erfahrung: Immer versuchen, ein „s“ hintendran zu hängen oder wegzulassen und Schreibweisen mit „i“ und „y“ probieren;))

Naja, auf geht’s weiter ins Gebirge. Auf dem Weg nach oben kommen wir an langen Graffiti-Reihen vorbei, die sich an Betonstützwänden breitmachen. Dabei sind wieder etliche Bilder einer Sprayerin (oder eines Sprayers) zu sehen, deren/dessen Portraits schon in Kalamata allerorten zu bewundern waren – und dort das Stadtbild erheblich auffrischten (nicht alle Werke sind so düster wie die, die wir dann außerhalb Kalamatas fotografierten).           

Der Weg ins Gebirge ist sehr schön. Die Straße führt nach einigen Serpentinen lange Zeit immer seitlich auf halber Höhe entlang einer Schlucht ins Land hinein, um sich dann irgendwann entlang einer Bergkette durch offenbar sehr fruchtbare Hänge nach oben zu winden. Wurde die Gegend außerhalb Kalamates erst einmal schnell unbewohnt, so werden hier die Häuser und Dörfer mitten in den Bergen wieder zahlreich und die Vegetation strotzt nur so vor Kraft: Wälder, wie ich sie hier in GR nicht vermutet hätte, dichte Baumbestände und schöne herbstliche Laubfärbungen – Indian Summer lässt grüßen. Die Durchgangsstraße Richtung Sparti (ist gleich Sparta – das kennt jeder) klettert bis auf über 1.300m und bietet immer wieder herrliche Panoramablicke im Gebirge. Der höchste Berg des Taygetos ist immerhin über 2.400m hoch.

Auf dem weiteren Weg nach Sparti und Mystra möchte uns Karin immer wieder auf Nebenstraßen zu unserem Tagesziel führen, aber dieses Mal bleiben wir standhaft. Heute keine Lust auf Irrfahrten und Abenteuer;)

In der Abenddämmerung kommen wir im heutigen Ort Mystras an und laufen noch ein wenig durch die kleine Ortschaft, sehen dabei erstaunt ein Kameramuseum (wie kommt das hierher?) und machen uns auf zu unserem morgigen Thema, der historischen Stadt Mystras. Auf dem Parkplatz unterhalb des Haupttores richten wir uns zum übernachten ein und erwarten eine friedliche Nacht.    

Leider haben wir zwei Komponenten nicht berücksichtigt: Es ist Wochenende und vom Haupttor aus hat man einen gigantischen Blick auf die Ebene von Sparti. Prima Treffpunkt für Jugendliche. Zumindest solche, die bereits mit Auto ausgestattet sind. Und die sind, wie sie überall sind und wie wir es auch waren: Musik aufdrehen und ’n Dicken machen. Speziell hier geht das so: Auto an und den Berg runterheizen, dabei von Leistung träumen und das schalten vergessen…. wer zuerst den Motor überdreht, hat wahrscheinlich gewonnen. Und da eben Wochenende ist, dauert das auch alles etwas länger, so ungefähr bis 3:00. American Graffiti auf griechisch, den Berg runter …. Für uns wird es eine „kurze“ Nacht.