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Tage 208-211: Entspannte Tage am Agay-Soleil

B: In diesen Tagen bleibt das Wetter sonnig und warm. Wir genießen die Zeit hier auf dem Campingplatz. Mal sitzend, mal liegend in der Sonne am faulenzen, schreibend am Notebook, und ab und zu kann ich mich zu ein paar Yogaübungen aufraffen, was mir immer sehr gut tut. Einkaufen gehen wir dann auch noch mal in den Wahnsinnsmarkt, brauchen aber beim 2. Mal schon nicht mehr ganz so lang.

Ein Mal schlägt Martin mir vor, Stand Up Paddling zu probieren (mir gefällt das). Nur ein paar Meter weiter am Strand gibt es einen Bretterverleih. Ich überlege und entscheide dann, dass mir das Wasser noch eindeutig zu kalt ist dafür, da ich davon ausgehe, dass es mich ein paar Mal vom Brett kippen wird. Lust hätte ich nämlich schon dazu.  Ich bin aber hier in der Gegend in bester Gesellschaft, bewegen wir uns doch z.Zt. entlang der Mimosenstraße. An allen möglichen Stellen, ob im Esterel oder hier in der Nähe des Meeres stehen die meist kleinen bis mittelgroßen Büsche mit ihrer gelben Blütenpracht und duften ganz wunderbar.  

M: Agay Soleil ist ein kleiner und wirklich toll gelegener Campingplatz. Direkt am Meer, mitten in der kleinen Bucht von Agay, zwischen Cannes und Saint Raphael/Frejus gelegen, das Esterel-Gebirge im Rücken – prima! Auf dem Campingplatz gibt es nur ca. 60 Stellplätze, 10 davon unmittelbar am Strand mit leichtem Aufpreis (ok, da ist noch der Zaun…). Im Sommer ist es garantiert dauervoll, dann wird man nur mit Reservierung auf den Platz kommen. Aber wir sind ja noch in der Vorsaison hier, das passt. Und ob ein Platz 2, 3 oder 4 Sternchen hat, scheint in der Praxis oft nur untergeordnete Bedeutung zu haben. Hier sind es deren ***.

Warum wir uns immer wieder auch auf Campingplätzen herumtreiben, ist schnell erklärt. Hier an der Côte d’Azur z.B. gibt es praktisch keinerlei „wilde“ Stellmöglichkeiten – oder zumindest keine, bei denen kein Ärger zu befürchten wäre. Offizielle Camperstellplätze hat’s hier auch nicht – also bleibt für längere Rast (und die Bequemlichkeit!) nur ein Campingplatz.

Wenn wir im Klaus jeden Tag duschen, dann ist nach 2 Tagen der Abwassertank voll und das Frischwasser leer. Die Toilette möchte dann auch gleich entleert werden…. Klar, mit etwas Aufwand findet sich immer ein Trinkwasserhahn und ein Abfluss mit Anschluss an die nächste Kläranlage;) Und häufig handhaben wir es ja auch genau so. Andererseits treibt uns die Faulheit dann zumindest bei Aufenthalten von ’ner Woche oder länger auf die Campingplätze.    

Nur mit dem Strom sind wir oft autark – vorausgesetzt, die Sonne ist uns freundlich gesinnt. Die beiden 100W-Module unserer Solaranlage liefern dann genug Strom für unseren Bedarf – der hauptsächlich vom Verbrauch der Notebooks geprägt ist.  Die Solaranlage war eine prima Investition, die sich schon nach unserer Reise amortisiert haben wird, denn der Strom auf den Campingplätzen kostet oft 3 -4 €, auf manchen Plätzen in der Saison sogar bis zu 7€ – am Tag!

Dummerweise fällt das Solarsystem zur Abwechslung jetzt auch mal aus. Die Ladeleistung entspricht erst nicht mehr der Sonnenkraft und fällt kurz darauf vollständig ab. Im Kontakt mit dem Lieferanten wird das Steuergerät als Übeltäter ausgemacht und eine Ersatzlieferung versprochen. An dieser Stelle ein großes Lob an den Solar-System-Lieferanten – FTG Shop. Hier klappt einfach alles gut: Beste Preise, sinnvolle Sets, schnelle Lieferung, hervorragender Service – eine unbedingte Empfehlung, besten Dank an Hr. Rippe von FTG!

Nichtsdestotrotz müssen wir hier in Agay erstmal umstellen auf den teuren Campingplatzstrom – schade.         


Tag 206: Camping Agay-Soleil

B: Das Wasser ist alle. Es wird Zeit einen Campingplatz anzusteuern. Martin fährt mit der Holda erst nach Saint-Raphaël, um endlich mal mit dem Internet-Thema weiterzukommen und dann einen Platz für uns zu suchen. Ich bin noch nicht so ganz ok, so macht er die Tour alleine. Und das mit Erfolg. Nachdem er zum zweiten Mal den SFR- Laden angesteuert hat, weil die Madame hinter dem Tresen, die ihn das erste Mal bediente, anscheinend noch nicht so genau wusste, was sie da tut, klappt es jetzt mit dem Internet. Ich sag’s ja ungern, aber ein Monsieur wusste, was eigentlich zu tun ist, damit die Sache funktioniert. Martin findet dann mehr durch Zufall einen kleinen, feinen Campingplatz, den Camping Agay-Soleil, der direkt am Meer liegt. Er bucht uns einen Platz direkt vorne am Meer, wie schön! Jetzt muss man nur noch den Zaun ausblenden, der unerwünschte Gäste draußen halten soll. Selbst die sanitären Anlagen sind sehr ansprechend. Hier kann ich gut entspannen 🙂

Später am Tag machen wir noch einen Spaziergang ins Esterel. Erst fahren wir mit der Holda ein Stück, doch scheitern wir immer wieder an Schranken, die durch Privatstraßen kein Fahrzeug durchlassen. Das scheint hier in der Gegend so Usus zu sein. Also stellen wir das Moped an so einer Schranke ab und gehen zu Fuß. Erstaunlich schön ist dieses Wohngebiet. Es erstreckt sich über den kleinen Hügel, der sich von der Bucht aus nach oben zieht. Viel Grün ist zwischen den Häusern angelegt oder auch belassen. Die Häuser sind alle im ähnlichen Stil gebaut worden, beige gestrichen und das Einzige, was etwas variiert, sind die Farben der Fensterläden. Je weiter nach oben wir kommen, desto mehr sehen wir, was für einen beneidenswerten Ausblick man von den meisten der Häuser aus haben muss. Und wie sich die Häuser allesamt in die Landschaft einpassen, ohne dem Auge wehzutun. Irgendwann hört die Bebauung auf, wir genießen die Natur um uns, ihre sehr eigenen Blüten und Blumen und den Blick über das Meer. 

M: Ah, ja – das gibt es in Frankreich oft: „Domaine de Soundso“ …. Manchmal ist es ein Hofgut (Domaine = Herrschaftsbereich), meist aber handelt es sich um private, oft große (Wohn-)Gebiete, in der Regel umzäunt und mit Schranken garniert. Hier versperrt uns die Domaine du Rastel, eine sehr ausgedehnte Ansiedlung,  die sich am Hang entlangzieht, die Weiterfahrt mit der Holda. Die Häuser hier am Südhang oberhalb der Bucht von Agay mit direktem Blick aufs Meer sehen allesamt nicht protzig aus, sind aber bestens gepflegt, stehen solitär auf eigenen Grundstücken, verfügen i.d.R. über einen (oft versteckten) Pool und kosten richtig viel Geld:) Was im Internet angeboten wird, fängt so bei 1.500.000,- an. Öhm, es handelt sich um Ferienwohnsitze, wohlgemerkt;)          

Tag 205: Das Massif de l’Esterel

B: Heute ist nicht mein Tag. Ich erwache mit Migräne, da ist dann auch nichts mit mir anzufangen. Wir fahren mit dem ganzen Zuhause ein Stück ins Esterel-Naturschutzgebiet hinein. Dieses kleine Gebirge ist auf seine Art ganz besonders. Es wirkt viel größer und imposanter, als es von seinen eigentlichen Ausmaßen her ist. Auch die frühlingshafte Landschaft hat einen ganz eigenen Charakter, ich finde es wunderschön hier. Wir bleiben auf einem sehr ursprünglich gehaltenen Parkplatz, der ein paar Picknickgelegenheiten bietet. Hier darf man nur bis 21 Uhr am Abend sein, dann muss man wieder raus, sonst wäre das ein schönes Übernachtungsplätzchen. Ich bin dann einfach mal hier, die Ruhe tut mir gut. Martin macht eine Wanderung alleine. Abends fahren wir wieder an unser Plätzchen unter der Brücke in Agay und übernachten dort noch einmal.

M: Das ist leider wie bei vielen Nationalparks oder Naturschutzgebieten: Nachts kein Zutritt, auch kein „drinbleiben“. Aber das, was heute tagsüber zu sehen war, das war toll. Eine erste Wanderung durch das Massif de l’Esterel hat mir herrliche Farben beschert: Kräftig rot der Porphyrstein des Gebirges, intensiv gelb blühen immer noch die Mimosen, klar und blau funkelt das Wasser der Seen und Bäche – und das Gras ist saftig grün. Dazu gereicht werden prima Wanderwege. Die Startpunkte der Wege sind gut erreichbar, zwei Straßen führen in das Gebirge hinein, enden aber mittendrin als Sackgassen. Die Wege sind gut präpariert und ausgeschildert. Zwar ist das Gebirge ziemlich klein und der höchste Berg lediglich etwas über 600m hoch, aber alles wirkt viel größer und beeindruckender. Heute bin ich eher in den Tälern unterwegs gewesen, die Höhen des Esterel will ich mir aufheben, bis Bettina wieder mitwandern kann.        

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Tag 204: St. Raphaël

B: Wenn wir schon hier am Hafen so einen feinen Übernachtungsplatz haben, dann sollten wir uns diese Stadt auch anschauen. Die Sonne scheint, und so nehmen wir die Räder zum Stadterkunden. Vom Hafen aus fahren wir an der Promenade entlang und erreichen irgendwann die Touristeninfo von St. Raphaël. Schnell spricht die junge Dame auf uns ein, mmh, ganz so gut ist unser französisch dann doch nicht. Gut, das Meiste haben wir verstanden und am Ende hilft noch ein Kollege mit bisschen Englisch aus. So wissen wir jetzt mehr über das angeblich so sehens- und wanderwerte Esterel. Das, was die Altstadt hier ausmacht, ist schnell gesehen, denn es ist einfach nicht so viel Sehenswertes da. Macht nichts, der Spaziergang war schön. Abends suchen und finden wir einen Supermarkt. Ja, das haben sie gern, die Franzosen, diese gigantischen Märkte. Ich mag sie nicht. Verliere mich in diesen Riesengängen, stehe den schier unendlichen Wahlmöglichkeiten ratlos gegenüber. Und dann ist manchmal immer noch nicht das dabei, was ich eigentlich kaufen wollte. Gefühlte Stunden später sind wir wieder draußen. Heute schlafen wir (fast) unter der Brücke. Martin findet eine Sackgasse mit Parkplätzen im Ort Agay. Sie liegt an einem Flüsschen fast unter einer Eisenbahnbrücke. Auch hier haben wir unsere Ruhe. Die Züge fahren zu humanen Zeiten (glaube ich jedenfalls) und so schlafe ich gut. 🙂

M: Durch Saint Raphaël -und auf insgesamt 130km durch weitere Orte auch im Hinterland der Côte d’Azur- führt die Mimosenstraße, die uns immer wieder schöne Bilder mit herrlich gelb blühenden Blumen geboten hat. Bereits früh im Jahr, nämlich von Januar bis Mitte März wird hier die Mimosenblüte gefeiert – zu früh für uns, aber die Blüte haben sie diesmal anscheinend noch extra für uns übrig gelassen;)

Raus aus der Stadt, nach nebenan in die Natur. Ja – für heute Abend haben wir einen recht exklusiven Nachtplatz nahe Agay gefunden. Direkt neben einem kleinen Fluss, unmittelbar hinter dessen Meeresmündung, am Horizont wieder das Esterel-Gebirge und in der Nacht halt ein paar schnelle Züge auf der Brücke über uns;) Das ist hier aber wirklich Camper-Luxus – denn die Franzosen achten an der Côte d’Azur akkurat darauf, dass ja kein Schlupfloch für die Camper übrigbleibt, alles ist zu 100% reglementiert und versperrt. Und Camperstellplätze hier an der teuren Küste? Totale Fehlanzeige! Höchstens mal sowas Skurriles, wie im Artikel Tag 193 beschrieben….. Wo es doch sonst in Frankreich nur so von kommunalen und oft kostenlosen Stellplätzen für Camper wimmelt, ist hier wohl die Parole, dass der zur Verfügung stehende Platz und die schöne Landschaft der noch besser zahlenden Klientel vorbehalten bleiben soll. Na gut.