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Tag 104: Palamidi – wacht über Navplio

M: In Griechenland gibt’s haufenweise Burgen und Festungen. Aber das haben wir schon mal irgendwo geschrieben, oder? Mann kann ja Sammelleidenschaften für alles Mögliche entwickeln. Wenn wir GR-Burgen sammeln würden, dann wären wir bald komplett…. Heute also Palamidi – eine mächtige Festung, die auf einem 220m hohen Hügel direkt über Navplio thront und die Stadt von oben beherrscht.   

Unser erster Anlauf, die Palamidi-Festung zu erobern, ging mal wieder schief – wir haben es über den Fußweg probiert (gerüchteweise 999 Stufen).  Aber schon nach 10 Stufen informierte uns die nette Anzeigetafel, dass wir um 14:45 den Aufstieg schon  gar nicht mehr wagen sollten, denn ab 15:00 sei Feierabend – wie eigentlich  überall in allen Museen, Burgen, Sehenswürdigkeiten in GR! Echt, merkt Euch das für Euren Griechenlandbesuch: Nach 15:00 hat nur noch das Akropolis-Museum in Athen offen, sonst nix in der Art!!!

Der nächste Anlauf führte uns dann über die wesentlich bequemere Variante mit unserer Holda auf der anderen Seite des Hügels zur Palamidi. Huch – hier ist mehr Betrieb als z.B. in Olympia.
Jetzt kenne ich aber auch den Unterschied zwischen Burg und Festung: Burg = wohnen und verteidigen. Festung = nur verteidigen, nix wohnen. Dementsprechend ist auch die Palamidi nicht schmuck, sondern nur zweckmäßig. Dafür aber monströs groß. Und dann ist immer noch mal ne weitere Bastion angebaut worden und noch eine …     Dumm nur, dass die Venezianer darüber ca. 1710 gar nicht erst fertig geworden sind mit ihrer großen Festung, die ja möglichst uneinnehmbar werden sollte.  Noch bevor sie fertig waren, kamen die fiesen Ottomanen und haben mit großem Gemetzel Stadt und Festung erobert.

Unterhalb der Palamidi-Festung ist auf einem kleineren Hügel noch die Akronauplio-Festung zu sehen. Zwischen beiden Burgen erhebt sich -von allen Seiten bestens sichtbar- der Schandfleck Navplios: Ein  Hotelbunker (wohl) aus den siebziger Jahren, mittlerweile leer und verrottend. Vielleicht wird dessen Ruine ja auch mal Kulturgut….

 

Tag 76: Mystra – historische Großstadt

M: Mystras (oder Mystra) – eine untergegangene Großstadt aus alter Zeit, angesiedelt auf einem steilen Vorberg des Taygetos-Gebirges. Zuerst wurde von Kreuzrittern (die mal wieder…) im 13. Jahrhundert eine Burg errichtet, die das Tal von Sparti überwachte. Dann kloppten sie sich mit den Truppen von Byzanz, verloren und mussten Mystra abliefern. Die Menschen aus dem nur wenig entfernten Sparti hatten irgendwann die Schnauze von den ganzen Kreuzrittern „in the town“ voll und zogen reihenweise um nach Mystras – dort gab es immerhin die starke Festung, in deren Schutz und an deren Hang sie sich ansiedelten. Es entstand eine Stadt, die irgendwann mehrere 10.000 Einwohner zählte und als kulturelles Zentrum der Region galt. Später kamen dann die Osmanen und darauf die Venezianer und erklärten Mystras jeweils zu ihrem Ding. Als dann die Griechen im 19. Jh. ihren eigenen Freiheitskampf führten, ging die Stadt leider komplett zu Bruch und anschließend hatte keiner mehr die Lust zum Aufbau. Es gab ja noch Sparti, das man vor Hunderten von Jahren aufgegeben hatte und das nun wieder aufgehübscht wurde.

So bietet sich Mystras heute als Ruinenstadt dar, wie alle griechischen Dings allerdings täglich nur bis längstens 15:00. Danach isses nur noch ne geschlossene Ruinenstadt. Da wir aber direkt vorm unteren Tor übernachteten, waren wir bereits kurz vor 12:00! am Eingang:))) 3 Stunden Zeit für Mystras bedeutet eine stramme Tour, den Berg hoch und runter. Dabei eine Kirche nach der anderen bewundern und über die gigantischen Ausmaße der ehemaligen Stadt staunen. Staunen allerdings auch darüber, wen oder was die Leute geritten hat, ausgerechnet an diesem steilen Hang zu siedeln – wo es doch vor der Nase herrliche, fruchtbare Ebenen gibt. Der tolle Ausblick alleine wird es nicht gewesen sein, aber vielleicht ging es wirklich ganz banal um Angst und Schutz. Die „Straßen“ in der Stadt waren so steil und eng, dass für Karren und Wagen da nix ging. Es ist auch heute immer noch steil im Ort, immer noch höher geht es hinauf, der Blick über die Ebene wird immer gigantischer und dann ist auch schon das nächste Highlight in Sicht – der ehemalige Herrscherpalast, der Sitz des Despoten. Aber leider: Geschlossen, wird gerade neu aufgebaut (Renovierung würde den Umfang nur unzureichend beschreiben). Irgendwelche Informationen gab es dazu vorab nicht. Also noch bis zur eigentlichen Festung hochgekämpft und alles noch mal von oben genossen und dann beim Abstieg gemerkt, dass es schon 14:50 ist. Ähm, in 10min klappt das nicht nach unten ….. so um 15:15 gleiten wir dann elegant nach draußen, denn die Angestellten stehen noch zum Plausch versammelt vorm Tor; Schlüssel bereits in der Hand.

Tag 61-72: Koroni – Burg & Kloster

M: Recht egal, wo wir hier in Griechenland, bzw. auf der/dem Peloponnes hinkommen, die kriegerischen Leute waren schon vor uns da. Also z.B. fränkische Kreuzfahrer, Byzantiner, Venezianer, Osmanen usw. Und haben überall ihre Festungen und Burgen hingestellt. Also fast mehr, als deren Kumpels in Deutschland. Zumindest sieht es hier so aus – kein nennenswerter Hügel ohne Festung ….. und praktisch veranlagt waren die Kerle auch immer wieder: Schwupps, kaum hatten z.B. die Venezianer ne byzantinische Festung erobert, wurde diese nach eigenem Chic umgestaltet und künftig als venezianische Burg weitergeführt – sehr praktisch. So geschehen auch hier in Koroni.

Aber hier gibt es eine Besonderheit: Auf dem weitläufigen Festungsareal wurde Anfang des 20. Jahrhundert ein Klosterdorf gegründet – interessante Umdeutung….

Bei einem unserer Streifzüge durch Koroni wollten wir Burg und Kloster erlaufen – waren aber mal wieder etwas spät dran …. So wurden mehrere Spaziergänge daraus und an einem Abend haben uns zwei Nonnen das Kloster noch im Schnelldurchlauf besichtigen lassen, obwohl anscheinend schon Schließzeit war. Unsere Fotos zeigen Teile des Klosters (alles recht bescheiden, aber einfach schön). Ein Segen war der Sonnenuntergang an diesem Abend, genau zur rechten Zeit. Blöderweise waren wir beide ausgerechnet an diesem Tag nur mit den Smartphones ausgestattet, ich glaube, es sind trotzdem herrliche Bilder entstanden.

An einem anderen Abend konnten wir tolle Fotos von der Festung zu den Klippen und aufs Meer machen – welche Farben!

Auch der Friedhof des Ortes hat hier oben seinen Platz gefunden. Sehr malerisch. Mit Fotos der Toten auf den weißen Gräbern. Und kitschigen Kunstblumen.

Nur mal so generell wg. der tw. mächtigen Burgen auf den Bergen: Wäre ich als feindlicher Feldherr unterwegs gewesen, hätte ich doch nur müde gelächelt und wäre ein paar Meter weiter links oder rechts vorbeigezogen, oder? Wozu die ganze Müh mit der Belagerei und Eroberei – und hinterher haste eh wieder nur das ganze Geraffel an der Backe?  Aber was weiß ich schon…