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Tag 114: Reise nach Korinth

M:  Unsere Zeit in Navplio ist heute endgültig vorbei, wir blieben dort viel länger als je gedacht. In der Zeit, die wir auf Triton II verbracht haben, werden Japaner 3x durch Komplett-Europa geschaukelt. Aber das soll ja nicht unser Maßstab sein – Slow-Traveling gewinnt für uns an Bedeutung. Jedenfalls, heute geht es weiter.     

B: Wir kommen abends in dem kleinen Ort Archea Korinthos an, der zu den Ausgrabungsstätten des antiken Korinth gehört und suchen uns einen Schlafplatz auf dem großen fast leeren Parkplatz im Ort. Von da aus gehen wir los, um zu schauen, wo wir eine passable Taverne finden können. Wie so oft sind nur wenige geöffnet, aber wir finden eine, die uns Freude bereitet. Nicht unbedingt wegen dem Essen, das wir bekommen, sondern eher des Ambientes wegen: Ehrliches griechisches Neonlicht an der Decke, die kleine, alte Frau (vermutlich Oma des Wirtes), die sich am Kamin wärmt (ich glaube, sie gehört zum Inventar), unglaublicher Tand, der an den Wänden hängt und nicht zuletzt die trendy Gummistiefel, in denen der Wirt uns in flotten Bewegungen bedient (kommt er gerade aus dem Stall? Wir werden es nie erfahren). Das Essen ist mittelmäßig, unsere Stimmung trotzdem gut. Der Fernseher läuft, Angela Merkel und viele andere europäische Politiker tummeln sich auch hier auf dem Schirm, alles ist bunt!

Tag 110: Mykene, Tiryns, Argos

M: Mykene – ein weiterer bedeutungsvoller Ort. Und zwar sowohl für die griechische Mythologie als auch für die ganz handfeste, „ordinäre“ historische Geschichte. UNESCO-Welterbe ohnehin, klare Sache;)

Ein sonnenklarer, aber eiskalter Morgen, deshalb bleibt Holda heute zuhause und Klaus muss ran. Nach Mykene sind es doch einige km, genug für eine Entscheidung zur Bequemlichkeit und gegen Frierhutzelei …

Mykene liegt in der Argolis am Ende des langen Tals, das am Argolischen Golf beginnt ( = Ebene von Argos ) und wurde auf einem kleinen, eher unspektakulären Hügel -aber mit weitem Blick von dort- errichtet. Es gilt als Ursprungsstätte der mykenischen Kultur und war eine der bedeutendsten Städte der griechischen Antike. Los ging’s mit der Bebauung um ca. 2.000 v.Chr.

Hier gibt’s richtig viel zu sehen: Kuppelgräber (u.a. das „Schatzhaus des Atreus„), die mykenische Oberstadt, das Löwentor, die zyklopische Ringmauer, zwei Grabzirkel  / Schachtgräber usw… – und das alles nicht nur als mehr oder weniger platte Fragmente, sondern richtig erhaben, in 3D!

Und was für Steine: Groß! Vor gut 4.000 Jahren hatten’s die Menschen eher noch mit den handfesten Wackern, jeder einzelne Stein gleich mehrere Tonne schwer.  Riesen-Lego.

Heinrich Schliemann war auch hier schwer aktiv und hat den ganzen Ausgrabungsruhm für sich eingestrichen, obwohl auch andere wesentlichen Anteil an den Ausgrabungen hatten/haben.

Ein kleines Museum gibt es auch, dort sind spannende Sachen zu sehen, u.a. zwar die unvermeidlichen Tonkrüge usw., aber auch interessanter Schmuck und „gar possierliche“ Figuren:)

Die griechische Mythologie ist hier omnipräsent. Es gaben sich die Klinke in die Hand:

(das alles sagt Wikipedia)

Wenn man mal Atreus (zeitweise König von Mykene) herauspickt und nur ein Detail seins Wirkens betrachtet, dann reicht das schon, um sich vorzustellen, dass es in der gr. Mythologie richtig rund ging:

„Als Atreus vom Ehebruch seiner Gattin erfuhr, vertrieb er aus Eifersucht seinen Bruder Thyestes. Später scheinbar wieder versöhnt, bewirkte er die Heimkehr seines Bruders und lud ihn zu einem Gastmahl ein. Nach einer Sage ließ er Thyestes Söhne töten, um sie ihm zum Mahl vorzusetzen.“

Alles klar, das reicht.

Kaum angekommen, wird es uns richtig warm, die Sonne arbeitet heute dann doch mit aller Kraft. Rundum strahlen uns die Berge mit ihrem weißen Schneeekleid an, am Ende der Ebene grüßt der Argolische Golf. Mykene ist mehr als sehenswert, der Tag ist wunderschön.

Am Ende übertreiben wir es dann, indem wir uns noch Argos (älteste ununterbrochen besiedelte Stadt Europas)  sowie die mykenische Burg Tiryns (gilt gemeinsam mit Mykene als eine UNESCO-Welterbestätte) vornehmen.

Die ehemals bedeutende Stadt Argos erscheint uns eher „schwierig“, die Burg Larissa ist für heute zu weit oben auf dem Berg und das Amphitheater ist kaum zu finden (Einheimische bringt die Frage nach dem Weg ins Schleudern) und eh schon wieder geschlossen. Der Blick durch den Zaun reicht aber vollkommen aus.

So ist es dann auch mit Tiryns, das ohnehin auf dem Heimweg liegt. Selbstverständlich  ebenfalls bereits geschlossen, aber die erhaltenen Außenmauern der antiken Anlage (Zyklopenmauern) können wir uns auch von draußen anschauen. Häkchen dran, ha’m wir damit auch gemacht;)

Am Ende des Tages sind wir geschafft, am nächsten Tag bin ich erst mal wieder komplett hinüber ….

Tag 104: Palamidi – wacht über Navplio

M: In Griechenland gibt’s haufenweise Burgen und Festungen. Aber das haben wir schon mal irgendwo geschrieben, oder? Mann kann ja Sammelleidenschaften für alles Mögliche entwickeln. Wenn wir GR-Burgen sammeln würden, dann wären wir bald komplett…. Heute also Palamidi – eine mächtige Festung, die auf einem 220m hohen Hügel direkt über Navplio thront und die Stadt von oben beherrscht.   

Unser erster Anlauf, die Palamidi-Festung zu erobern, ging mal wieder schief – wir haben es über den Fußweg probiert (gerüchteweise 999 Stufen).  Aber schon nach 10 Stufen informierte uns die nette Anzeigetafel, dass wir um 14:45 den Aufstieg schon  gar nicht mehr wagen sollten, denn ab 15:00 sei Feierabend – wie eigentlich  überall in allen Museen, Burgen, Sehenswürdigkeiten in GR! Echt, merkt Euch das für Euren Griechenlandbesuch: Nach 15:00 hat nur noch das Akropolis-Museum in Athen offen, sonst nix in der Art!!!

Der nächste Anlauf führte uns dann über die wesentlich bequemere Variante mit unserer Holda auf der anderen Seite des Hügels zur Palamidi. Huch – hier ist mehr Betrieb als z.B. in Olympia.
Jetzt kenne ich aber auch den Unterschied zwischen Burg und Festung: Burg = wohnen und verteidigen. Festung = nur verteidigen, nix wohnen. Dementsprechend ist auch die Palamidi nicht schmuck, sondern nur zweckmäßig. Dafür aber monströs groß. Und dann ist immer noch mal ne weitere Bastion angebaut worden und noch eine …     Dumm nur, dass die Venezianer darüber ca. 1710 gar nicht erst fertig geworden sind mit ihrer großen Festung, die ja möglichst uneinnehmbar werden sollte.  Noch bevor sie fertig waren, kamen die fiesen Ottomanen und haben mit großem Gemetzel Stadt und Festung erobert.

Unterhalb der Palamidi-Festung ist auf einem kleineren Hügel noch die Akronauplio-Festung zu sehen. Zwischen beiden Burgen erhebt sich -von allen Seiten bestens sichtbar- der Schandfleck Navplios: Ein  Hotelbunker (wohl) aus den siebziger Jahren, mittlerweile leer und verrottend. Vielleicht wird dessen Ruine ja auch mal Kulturgut….