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Tag 124: Die heißen Quellen von Termopili

B: Heute wollen wir zu den heißen Quellen von Termopili fahren, von denen uns Franz so vorgeschwärmt hat. Die Quellen zu finden ist gar nicht so einfach. Würde man in Deutschland um solch ein Naturereignis wahrscheinlich eine ganze Wellnesslandschaft drumrum bauen, mit entsprechenden Eintrittsgeldern, ist es hier nicht mal deutlich ausgeschildert. Martin findet dann die Zufahrt mehr nach Instinkt. Erst mal sieht das Areal eher aus, wie ein LKW-Parkplatz. Das scheint hier ein Geheimtipp unter Brummifahrern zum Pause machen zu sein. Und für osteuropäische Großfamilien, die hier gleich den Platz fürs Picknick mit Musikbeschallung nutzen. Als nächstes sehen wir Menschen in Bademänteln und ein runtergekommenes Gebäude. Beim Näherkommen dann hört man es plätschern und sieht einen künstlichen kleinen Wasserfall und die Becken, in denen Leute in Badebekleidung sitzen und sich offensichtlich sehr wohl fühlen. Wenn man durch ein Stückchen Wald Richtung Quelle dieser Wasserfreuden geht, kommt man an noch ein sehr bequemes Becken, von dem aus ein richtiger Bach mit dem 40° warmen Wasser fließt. Klingt alles toll, ist es auch, als wir dann mal drin sitzen in dem heißen, schwefelstinkigen Nass, aber ich hätte vorher fast gestreikt: ein paar Meter vor diesem Becken liegt Müll in rauen Mengen herum, es ist echt eklig. Da heißt es, wie immer mal, wegschauen und im Hier und Jetzt genießen. Es ist unglaublich entspannend in dem Wasser! Hinterher stinken wir zwei nach Schwefel, als kämen wir direkt aus der Hölle und unsere Haut fühlt sich ganz wunderbar weich an. Martins Badehose ist jetzt allerdings ruiniert.

Dann geht’s weiter zu den Klöstern zwischen Himmel und Erde – den Meteora-Klöstern. Bis auf den Parkplatz vor dem größten dieser unglaublichen Bauwerke fährt Martin uns ganz tapfer. Dann fallen wir müde in unser Bett.

M: Lieber Franz, das war ein toller Tipp – das heiße Schwefelwasser von Termopili ist klasse. Aber he, die ganze Umgebung ist wirklich völlig rotten. Bettina hat’s oben schon geschrieben und ich hab mich eher gewundert, dass sie sich überwunden hat. Man könnte dieses Quellenwunder in Deutschland (und bei euch in Österreich ganz sicher auch) entweder exklusiv vermarkten oder bestens umzäunen, Naturschutzschilder aufstellen und die Leute gegen gutes Geld bis an den Zaun in sicherem Abstand ranlassen. Aber sowas wie hier, dass hier ein völlig chaotisches, wildwüchsiges Schwefelplanschbecken mit Grillplatz und Fernfahrerrastplatz entstanden ist – das kann ich mir weiter oben in Europa kaum vorstellen.

Nachdem wir aus dem Schwefeltopf heraus waren und zum Klaus zurückgegangen sind, fällt mir auf, dass meine Schlüssel, nun sagen wir mal, etwas „gebläut“ aussehen. Verflixt, die haben mit gebadet und sind jetzt vom Schwefel völlig oxidiert. Hoffentlich funktioniert der Transponderchip vom Zündschlüssel für die Wegfahrsperre noch – das wär’s ja! Aber alles klappt – puh!     

Übrigens: Hier ist das Schwefelwasser zu finden – dort immer der Nase nach:   Termopili / Loutra Thermopilon
In der Nähe fand die Schlacht bei den Thermopylen statt, der Landschaftseinschnitt hatte hohe strategische Bedeutung. Das Kriegerdenkmal des spartanischen Königs Leonidas befindet sich in der Nähe – dieser hatte mit seinen Truppen den übermächtigen Persern unter Xerxes schwer Verluste beigefügt, weshalb die ansonsten für die Spartaner verlorene Schlacht in die Geschichte einging. Das Thema wurde übrigens -hollywoodlike und tw. fragwürdig- in dem Spielfilm „300“ verarbeitet.

Nachdem wir heute schon viele Km von Kap Sounion nach Termopili gefahren sind, entschließen wir uns, noch bis zu den Meteora-Klöstern weiterzufahren und nicht bei den zwar tollen Schwefelbecken, aber auch unsäglich dreckigem Platz zu bleiben. Los geht’s.