Tag 98: Wintersonnenwende

B: Die längste Nacht des Jahres! Ich finde, das ist ein guter Grund ein Feuer am Strand zu machen. Einen Tag vorher klopfe ich an die Türen der anderen Camper am Platz und lade ein dabei zu sein. Die Nächte sind jetzt schon sehr kalt (ich will jetzt niemanden aus Deutschland lachen hören, die Nächte SIND kalt!), aber das Feuer soll ja wärmen. Wir haben vorher Holz gesammelt, Martin hat es später an den Strand getragen. Erik bringt mit dem Fahrrad auch noch Holz, was soll da noch schiefgehen? Alle, die wir eingeladen haben, sind auch gekommen! Um 18 Uhr zünde ich den Holzstapel an, aber das Feuer will nicht so richtig in Gang kommen, das Holz ist doch zu feucht. Elfi und Martin retten das Ganze mit trockenen Palmenrindenstücken. Die brennen ganz prima und so wird dann nach einer Weile doch noch was aus dem Feuer. Wir feiern den Abend mit Gesprächen, Gelächter, Wein und Glögg.

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Tag 96: Epidauros, Wirkungsstätte des Asklepsios

M: Epidauros oder Epidavros – hier wird es wieder einmal spannend: Entsprechend der griechischen Mythologie ist hier eine der Wirkungsstätten von Asklepios zu finden. Und wer kennt den nicht, den Gott der Heilkunde, gelle?

Tatsächlich handelt sich bei Epidauros um ein antikes Heil- und Kurzentrum, das sich anscheinend (mithilfe des o.g.) seinerzeit sehr gut vermarktet und kräftig in die Infrastruktur investiert hat.

So gibt es u.a. ein wunderschönes und toll erhaltenes Amphitheater, das immer noch mit seinen 55 Sitzreihen und Platz für 12.000 Menschen imponiert. Im Sommer  gibt es hier wieder Aufführungen antiker Dramen. Sehr interessant, aber: Dazu muss es halt erst mal wieder Sommer sein.  Da isses wieder, unser altes Problem – der fehlende Sommer;)

Frühe Kultstätten gab es hier bereits im 7. Jh v.Chr., dann war es Apollon, der verehrt wurde. Es folgte sein Göttersohn Asklepsios, der den Ort berühmt machte. Und später haben auch die Römer hier weitergemacht, gekurt und sich heilen lassen. Billig war das sicher alles nicht. Allein schon das: Es gab ja keine Bahnen, Busse, Flugzeuge …..

Außerdem haben hier die Asklepieia (panhellenische Spiele)  stattgefunden,  entsprechend denen z.B. in Olympia. Das Stadium und zugehörige Bauten sind elementar zu sehen.

Ganz klar: Epidauros ist UNESCO-Welterbe – darunter machen wir es jetzt kaum noch;)
Trotzdem stellt sich bei uns beiden heute erstmals eine gewisse Ernüchterung ein: Das Theater ist toll, die „alten Steine“ dagegen empfinden wir heute/diesmal als eher öde… Es ist eine große Fläche, die da einstmals mit stolzen Bauten glänzte. Heute können wir noch einige Grundrisse nachvollziehen und zwei Säulen bewundern, die rekonstruiert wurden. Ansonsten liegen überall viele, viele antike Steine herum, teilweise sortiert oder irgendwie geordnet. Das übliche große Schild am Eingang verkündet, dass die EU die Arbeiten mit so ca. 12,3578 Millionen € sponsort. Nun, Ausgrabungsarbeiten brauchen halt ihre Zeit…. überall sind irgendwelche Kräne und Gerüste im Einsatz, aber es sieht einfach nicht nach Einsatz aus. Vielmehr nach Stillstand. Und das schon länger. Aber was wissen wir schon.

Spannend aber, wie die Sache (Kur, Heilung) damals abgelaufen ist. Erstmal die kultische Reinigung in Brunnen oder Brunnenhaus, dann das Opfer an Apollon.

Jetzt, wichtig!: Schlafen im Abaton, um im Traum durch den Gott Asklepios höchstpersönlich zu erfahren, welche Heilmethode für einen selbst die geeignetste ist. Alternativ, später angewandt: Hypnose.

Es folgte das Gespräch mit einem Priester über das anzuwendende Heilverfahren (Bäderkuren, Entspannungskuren, operative oder medikamentöse Verfahren bzw. Kombination aus alledem).

Und wenn man nicht gut aufpasst, verläuft man sich bei  Betrachtung und Verstehen-wollen der ganzen Geschichten und historischen Beschreibungen immer mal wieder in den Verflechtungen aus Mythologie und „echter“ Geschichte.

Jedenfalls berichtet uns die Mythologie auch von Schlangen im Einsatz – irgendwoher muss die Schlange im Äskulap-Stab der Apotheker und Ärzte ja kommen. Aber deren Werk und Wirken wiederum ist keine Mythologie, oder?

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Tag 86: Navplio, die Stadt

B: Navplio ist unbedingt sehenswert. Die Altstadt pittoresk, über ihr die stattliche Palamidi-Festung, vor der Hafeneinfahrt auf einer Insel die Bourtzi-Festung und sozusagen ‚im Rücken‘ noch die Festung Akronauplio. All diese Anteile sind  eindrucksvoll, schön und sie ergeben zusammen ein harmonisches Gesamtbild. Und das Wichtigste: Die Stadt lebt! Mittwochs und samstags ist Wochenmarkt, da gibt es alles, was in Griechenland so wächst, bzw. dort aus dem Meer geholt wird. Dort schieben wir uns zwischen Menschen und an den Ständen vorbei und kaufen, was immer wir brauchen. Auch sonst ist in den Einkaufsstraßen der Stadt viel los – Navplio ist eine Stadt, in der es gut ist zu sein.

M: Navplio/Nauplio/Nafplia/Navplion/Nafplio – oder wie auch immer es richtig sein mag, gilt als schönste Stadt des Peloponnes oder sogar ganz Griechenlands (jaja, Wiederholung…). Für die Altstadt mit deutlich sichtbaren venezianisch-türkisch-griechischen Einflüssen stimmt das sicher. Viele, viele schmucke Läden, tolle Bars und Tavernen – schön! Und die Lage ist prachtvoll: Am Ende eines weiten und fruchtbaren Tales, vor sich den Argolischen Golf, im Rücken und im weiten Rund hohe Berge, die Argolis-Landschaft – so lässt sich beeindruckend glänzen. Die modernen Stadtteile Navplios bekommen von diesem Glanz leider wenig ab, hier  unterscheidet Navplio sich dann wieder nicht von den anderen griechischen Städten, die wir gesehen haben oder noch sehen werden.

Aber jedenfalls war Navplio sogar mal griechische Hauptstadt – irgendwann um 1830. Und damit auch Residenz des OTTO von BAYERN, der dann griechischer König wurde und seinen Hof nach Athen verlegte .. seltsame Welt… 

Markttag, Fischstände, Meeresfische, gaaanz frisch! Herrliche Dorade, das Kilo für € 8,- Her damit!

Tag 82-114: Unsere Zeit in der Argolis

M: Die Argolis, „unsere“ Landschaft im Dezember 2014.

Da wir uns hier viel Zeit lassen, lernen wir die Argolis im Winter etwas kennen. Es sind hier alle „Zutaten“ für eine schöne und abwechslungsreiche Gegend gegeben:

Das tolle und klare MEER – mit etwas Überwindung warm genug zum baden, auch im kalten Dezember;
der STRAND am Meer, kilometerweit mit Sand oder runden Kieseln;
die BERGE – für uns sogar mit Schnee!;
die fruchtbare EBENE mit riesigen Zitrusplantagen – hm, es gibt jeden Tag ganz frischen! Orangensaft!;
lange WEGE zum laufen oder wandern;
kleine ORTE wie Drepano nahe unserem Stellplatz – „echt griechisch“;
kleine, lebhafte STÄDTE wie Navplio oder Argos;
haufenweise ANTIKE – fast direkt „vor der Haustür“

und, und , und ……..

Das alles ist wunderbar und unbedingt eine Reise  wert.

Andererseits erschreckt uns jeden Tag ein bisschen mehr der viele Dreck, der Umgang der Griechen mit Ihrer schönen und wertvollen Natur, der oft desolate Zustand von Häusern, Straßen und allem möglichen. Orte wie Tolo, die vom Tourismus leben und zumindest jetzt im Winter nur trist und vergammelt aussehen, lassen bei uns keine gute Laune aufkommen.  Vielleicht ist uns das alles nicht egal genug, vielleicht zu deutlich, dass es den Menschen hier oft nicht gut geht – obwohl in dieser Landschaft alles vorhanden ist, um Menschen in mehrfacher Hinsicht „reich“ zu machen.
Während unserer Zeit in der Argolis ist Orangenernte. Aber in vielen Plantagen wird nicht geerntet, die Früchte fallen überreif ab und vergammeln. Arno berichtet, dass Plantagenbesitzern teilweise das Geld fehlt, um Pflücker (meist Gastarbeiter aus Pakistan) zu engagieren. Im Grunde erleben wir die Krise der Griechen direkt vor Ort.

Schön isses trotzdem hier – besucht doch mal die Argolis, Ihr werdet es schon sehen!

WETTER: Am Schluss waren wir lange Wochen in (oder in der Nähe von) Navplio und haben dabei alles Mögliche an Wetterkapriolen erlebt.

Wir sind bei gutem Wetter angekommen, konnten Sonnenstunden genießen, 10m weiter am herrlichen Sand- und Palmenstrand ins Meer springen (und manche von uns haben das auch wieder ausführlich genauso gemacht). Sobald die Sonne aber nachmittags (leider immer viel zu früh) ihre Höhensonne ausgeschaltet hat,  wurde es unangenehm. Die Nächte wurden kalt und kälter, der Schlaf-Klaus ist bis zum Morgen dann ordentlich ausgekühlt gewesen. Schlussendlich durfte die Heizung dann auch nachts weitersäuseln….

Regen wurde unser zuverlässiger Alltag.

Kurz vor Weihnachten gab es dann noch einen deutlichen Temperatursturz mit kuriosen Folgen: Das Meer direkt vor unserer Nase schien eines Morgens rundum zu kochen, überall stiegen Schwaden aus dem Wasser auf.  Simple Erklärung: Das Wasser war noch immer schön warm, die Luft eisig kalt, der Rest gehört zur Physik, oder?

Dann kam auch der Schnee: Dass es in GR schneit, ist nicht neu. Es hat durchaus Wintersportgebiete. Aber die sind woanders, nicht in der Argolis.  Die Berge rund um den Argolischen Golf waren auf einmal weiß gepudert – und das blieb dann auch so. Eine prächtige Kulisse für unsere Sinne: Palmenstrand, warmes Meer, weiße Berge, Weihnachten!

Triton II, unser Campingplatz, ist ohnehin weit und breit der einzige  ganzjährig offene Platz und eigentlich scheint er auch ganz gut für den Winter gerüstet. Ok, duschen in oben offenen und unbeheizten Räumen wird irgendwann ab 10°C abwärts ungemütlich – aber solange richtig schön heißes Wasser läuft, ist alles noch im grünen Bereich. Das wird aber auch nix mehr, wenn nachts die Leitungen einfrieren – das ist passiert und darauf waren die Leute vom Platz nicht vorbereitet. Temperaturen unter Null? Das gibt es sonst hier nicht – da haben wir ja mal richtig Glück gehabt:(

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