Tag 125: Die Meteora-Klöster und eine Entscheidung

B: Wir wachen also direkt vor dem größten der Meteora-Klöster auf. Es heißt Megálo Méteoro (oder auch Metamórphosis), aber zunächst sehen wir eher wenig Großes  beim Rausschauen aus unserem Schlafzimmerfenster. Nebelschwaden ziehen vor die Felsen und Klöster, nur manchmal lässt sich das Kloster Varlaám für einen Moment blicken. Aber es reicht noch nicht für ein anständiges Foto. Hach, und wieder mal find ich es ganz prima, dass wir im Januar an so einem spektakulären Platz sind (trotz des Wetters), denn außer uns sind da nicht viele Leute. Der eine Bus mit den asiatischen Touristen ist schon wieder abgereist, bevor wir mit Frühstücken fertig sind :). Gut, dass Martin mir noch aus dem Internet vorgelesen hat, dass Frauen in den meisten Klöstern Röcke tragen müssen, sonst bekommen sie eine Schürze zum Tragen am Eingang ausgehändigt. Ich trage also Rock und kann ohne so ein albernes Ding durch die Anlage schlendern. Dieses Kloster ist in einem so guten Zustand, dass es eine Freude ist, sich den ganzen Bau anzusehen (also das, was wir davon sehen dürfen, etliche Räume sind natürlich ‚private‘). Im Klostershop hätten wir kleine Devotionalien, Räucherwerk, Bücher und etliches andere kaufen können. Im Klaus ist aber Gottseidank kein Platz für Hinstellerchen. Auf den Geschmack gekommen, fahren wir noch ins nächstgelegene der Klöster. Nicht alle sind bewohnt, bzw. besuchbar. Und jedes hat seine eigenen Öffnungszeiten. Es ist also pures Glück, dass heute beide von uns favorisierten offen sind. Das zweite, Varlaám, hat aber nur noch eine viertel Stunde geöffnet, als wir dort ankommen. Viel mehr Zeit brauchen wir dafür aber auch nicht, denn man kann nicht viele der Räume dort besichtigen und am Renovieren sind sie auch. In der Kirche zeigt uns ein älterer Herr einen Kronleuchter, in den Straußeneier integriert sind! Ein Teil der anderen Klöster sehen wir noch von außen. Danke Franz und Elfi, der Besuch hat sich wirklich gelohnt!

M: Für mich völlig irre ist die Landschaft, in der die Klöster und Einsiedeleien von Meteora auf die Felsen gebaut wurden! Am Vorabend sind wir im Dunkel lange Zeit durch eine Ebene gefahren und irgendwann türmten sich wie aus dem Nichts senkrecht in die Höhe steigende Felsen auf. Ab dem Ort Kastraki ging es steil nach oben, vom Tal aus werden starke Scheinwerfer an die Felsen gerichtet und sorgen für eine seltsame Atmosphäre.  Irgendwann konnte man in der Dunkelheit ahnen, welche aberwitzigen Bauten auf völlig unmöglichen Plätzen Menschen dort über die Jahrhunderte errichtet haben.

Wir fuhren bis zum letztmöglichen Halt und haben den Klaus auf dem Parkplatz vor dem größten Kloster abgestellt. Ein anderes Wohnmobil stand da noch, alle Fenster längst zu. Ansonsten war es stockfinster und bald richtig kalt. Unser persönlicher Wachhund stand auch schon bereit und bekam anderntags von Bettina seinen Futterlohn.

Was für eine wundervolle Welt in der Nacht! Das wenige Licht von Mond und vom Tal reichte aus, um sich bereits die einmalige Landschaft am nächsten Morgen vorstellen zu können – ich kann durch Klaus‘ offene Fenster gar nicht genug kalte und klare Nachtluft atmen und mir die Augen in der Dunkelheit vor lauter Großartigkeit kaum sattsehen…

Anderntags: Tja, dumm gelaufen – nix isses mit all der Herrlichkeit, nur eine einzige Nebelsuppe – mal mit 15m, mal mit 50m Sichtweite …. Bitte entschuldigt daher die heftig nachbearbeiteten Meteora-Fotos. Anders ging es nicht, um überhaupt was verwertbares zu bekommen.

Megálo Méteoro (Metamórphosis), das mit 60.000m² Gebäudefläche größte der ehemals 24 Klöster und Einsiedeleien (nicht mehr alle sind erhalten) ist eine Pracht. Kaum vorstellbar, dass das auf einem solitären Felsen gebaute Kloster bis weit ins 20. Jahrhundert tatsächlich nur über Strickleitern oder Seilwinde erreichbar war. Da haben wir es doch leicht, eine schmale Brücke überquert heute die Schlucht zwischen den Felsen und ein enger Gang führt durch den Fels auf eine Treppe nach oben in den Eingangsbereich. Spannend die kleinen Ausstellungen und Museen im Kloster, die sowohl das alltägliche Leben als auch religiöse Preziosen zeigen. 

Aus jedem neuen Blickwinkel atemberaubend ist die Lage der einzelnen Klöster. Es ist, als hätten die Erbauer sich gegenseitig darin übertrumpfen wollen, immer aberwitzigere Plätze auf den Sandsteinfelsen mit Klöstern zu besetzen. Mein Favorit ist Rousánou (Arsánou): Von der Schokoladenseite aus betrachtet, scheint es direkt auf des schmale Felsplateau mit der Kelle draufgeklatscht zu sein – auch dieses Kloster ist noch bewohnt, es ist heute ein Frauenkloster (mit geschickt kaschiertem Trivial-Anbau auf der „harmlosen“ Felsenrückseite).

Nachdem wir dann aus der Klosterwelt nach und nach wieder in die weltiche Welt abwärts gefahren sind, stand endgültig die große Entscheidung an: I oder I? Istanbul oder Italien? Die Entscheidung fällt uns heute leicht (gestern war das noch anders): Wir sind GR-satt. Also kein Thessaloniki mehr, auch nicht Athos oder Chalkidiki – dementsprechend auch kein Istanbul. Italien stattdessen. Es ist 16:00 und das Navi meint, dass wir locker heute noch in Igoumenitsa (Dem griechischen Fährhafen nach Italien) ankommen können. Und womöglich im gleichen Atemzug auch übersetzen können. Und dann geht es auf einmal ganz schnell – nach zwei Monaten Griechenland sind wir auf einmal ruckzuck in Italien.          

    

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