Tag 44-46: Elenas Beach

B: Wohlfühltage – wir liegen in der Sonne, schwimmen, sind faul. An einem Tag pumpt Martin das Boot auf und wir fahren eine Runde durch die Bucht. Martin arbeitet etwas, jetzt wo wir Internet haben. Der Platz leert sich langsam. Es hat für mich etwas Friedliches hier: die Ruhe, die Wärme, das glatte Meer.

M: Dieser  Campingplatz hier dient unseren Nachbarn vor allem als Sprungbrett nach Italien. Igoumenitsa ist Der Fährhafen zwischen  Griechenland und Italien.Wir lernen, dass es gescheiter ist, nicht lange vorher per Internet zu buchen, sondern direkt im Fährhafen für den besten Preis zu kaufen. Und die möglicherweise entstehenden 1-2 Wartetage werden dann halt auf Elenas Campsite verbracht. Ende Oktober ist dort aber auch Schluss….

 

 

Tag 43: Ankunft in Griechenland, Igoumenitsa

B: Sonniges Erwachen mit Blick auf Korfu! Der Strand ist ganz nah. Außer uns ist niemand da an dem verlassenen Campingplatz. So werfen wir unsere Kleider ab und springen nackt ins Wasser.          Ist! Das! Herrlich!       Wir malen uns aus, wie es wäre diesen Campingplatz wieder aufzumöbeln und hier ein zufriedenes Leben zu leben.

Einige Kilometer später sind wir in Igoumenitsa, wir wollen mal schauen, ob es sich lohnen könnte mit der Fähre nach  Korfu zu fahren und hier gibt es einen großen Hafen. Die Reise nach Korfu lohnt  sich definitiv nicht, zu teuer und keiner weiß, ob es dort noch einen geöffneten Campingplatz gibt. Aber diese Stadt lohnt sich. Wir laufen an der Straße entlang und jedes, wirklich jedes Café, jedes Restaurant ist bis zum letzten Platz belegt. Später finden wir heraus, dass heute ein Feiertag ist. Das machen sie doch richtig die Griechen, die feiern so einen Feiertag wenigstens ordentlich.

Eigentlich wollen wir dann weitereisen, aber da das Wetter hier oben gerade besser sein soll als auf dem Peloponnes, bleiben wir auf einem Campingplatz ca. 20 km südlich von Igoumenitsa. Elenas Beach – mir gefällt der kleine Campingplatz mit ebenso kleinem Strand. Am Abend essen wir in der noch bis Ende Oktober geöffneten Taverne am Platz – ich liebe das griechische Essen. Wir unterhalten uns mit ein paar anderen Gästen, die noch da sind, v.a. einem jungen Lehrerehepaar mit Kind, die für 3 Monate von Nord nach Süd unterwegs waren und jetzt wieder heim müssen.

Tag 42: Albanien

M: Albanien lehrt uns: Wir sind schon ziemliche Angsthasen! Denn ungefähr dies waren unsere Vorstellungen: Dunkles unbekanntes Land, hinter den Bergen, die Menschen finster und gefährlich, Ein- und Ausreise führen fast zwangsläufig zu Repressalien (wenn nicht gleich zur Verhaftung…). Selbstverständlich alles gar keine Vorurteile, gelle;) Dementsprechend lautete früh der gemeinsame Beschluss: Augen zu und durch! Eine Tagesfahrt muss reichen, nur schnell wieder raus da ….

Ihr ahnt es schon: Es wurde ganz anders. Gleich bei der Einreise zwar die ganz genaue Kontrolle und Registrierung von uns und Klaus. Es dauerte eine ganze Zeit – aber dann gleich die erste Überraschung, denn der Grenzer in seinem Häuschen fragt mich nach gefühlten 15 Minuten Tipperei mit ernstem Blick: „Martin?“ Ich nicke argwöhnisch und er erklärt mir mit Fingerzeig auf sich selbst und breitem Grinsen: „Martin!“ Na, da zahlt sich die Namenswahl doch gleich mal aus – noch kein Bein (Rad) im Land und schon erste Freundschaften geschlossen:)

Frohgemut geht‘s auf ins wilde Land – und es zeigt sich wirklich auch sofort fremd, arm und völlig anders als alle vorherigen Länder- nur: Gefährlich sieht es nicht aus….        

Wir sammeln während unserer Durchfahrt natürlich nur Eindrücke von der Straßenseite, von kennenlernen kann keine Rede sein, aber auf und neben den Straßen spielt sich in Albanien eindeutig ganz viel ab. Ungefähr jeder zehnte Einwohner muss Tankstellenbesitzer sein, anders ist die schier unglaubliche Anzahl an Tankstellen(-palästen!) nicht zu erklären. Dazu die größtmögliche Dichte an deutschen Luxus-Geländewagen (ich hätte nicht gedacht, dass es überhaupt so viele Mercedes M und BMW X6 gibt, wie hier an einem Tag durchs Land zu sehen sind). Auf der anderen Seite, direkt neben den Tankpalästen, sogenannte „Waschanlagen“: Sobald ein Stück Betonfläche ungenutzt und ein Wasseranschluss dabei ist, bieten Autowäscher Ihre Dienste an.

Überall am Straßenrand ist Leben, es wird gehandelt und diskutiert. Strecken mit achsmordenden Löchern wechseln sich ab mit tollen neuen Schnellstraßen durchs Land – ein Synonym für die sofort deutlichen Gegensätze im Land. Armut ist überdeutlich, aber genauso die Geschäftigkeit, das Bestreben, der Handel.

Was für uns völlig verblüffend ist: Selbst rechts und links und auf! den neuesten Straßen findet alles statt. Da werden Leitplanken entfernt und „private“ Zufahrten geschaffen, es wird auf Kleinbustaxis gewartet und quer über die Schnellstraße gelaufen. In der Mitte gemächlich über die Leitplanke geklettert und weiter geht’s. Maultiere und Eselskarren, Mopeds und Fußgänger – alles bewegt sich auch auf den „Schnellstraßen“. Damit ließe sich gut auskommen, allerdings bewegen diese sich auch gerne in gegenläufiger Richtung – uns entgegenkommend also. Es ist in Albanien wohl eher als normal anzusehen, was bei uns jeden Verkehrsfunksender kollabieren lassen würde:)

Irgendwann gewöhnt man sich an diese andere Normalität und dann bleibt Zeit für viele andere Eindrücke. Ein schönes, wildes Land, herrliche Flusslandschaften, Berge und Täler – ganz oben mit Schnee, ganz unten mit fruchtbaren Böden und viel geschäftigem Treiben.

Dazu gehören auch die in praktisch jedem Ort, durch den wir fahren, allgegenwärtigen Polizeikontrollen, die uns ein durchaus mulmiges Gefühl bereiten – allerdings nur anfangs. Dann merken wir, dass die Herrschaften an uns null und überhaupt nicht interessiert sind und fahren daraufhin jedes Mal freundlich grüßend durch.

Unsere Fahrt führt vom Grenzübergang Murriqan über Skodra, Lezha, Durres, Fier, Tepelane und Girokaster nach Sarande.
Im Dunkel noch eine Passfahrt vom Landesinneren über die Bergkette vor der Küste und dann bei Konispol über die Grenze nach Griechenland. Geschafft. Erkenntnis: „Mutti, Mutti, er hat gar nicht gebohrt!“

Übrigens: Gut einen Kilometer nach der albanischen Grenze kommt dann doch noch eine griechische Grenzstation. Und dieses Mal erleben wir wirklich mal einen mürrischen und stänkernden Grenzmenschen – welch schöner Empfang in Griechenland:(

Kaum im Land, finden wir direkt an der Küste einen prima Stellplatz für die Nacht – mit Sicht auf die Insel Korfu, die uns unmittelbar gegenüber liegt.

Tag 41: Montenegro

M: Weiter geht’s – „unten“ soll es wärmer sein, da zieht’s uns hin. Durch Montenegro müssen wir durchfahren – das sollte gut an einem Tag machbar sein. Pläne für das Land haben wir im Moment keine. Allerdings gibt es nur die Küstenstraße, die für uns in Frage kommt. Steile, eindrucksvolle Felshänge bestimmen das Küstenbild. Dort können wir bald mit einer Fähre über eine Meerenge, die Bucht von Kotor, fahren. Die Fährfahrt ist schnell vorbei, trotzdem ist es ein Vergnügen. Was man über die nun folgenden Strecken nicht behaupten kann. Die Fahrt führt uns an Landschaften vorbei und durch Städte hindurch, die eindeutig im Aufschwung sind. Leider werden überall die gleichen Sünden begangen, die auch Jahrzehnte später noch negativ nachwirken werden. Als ob andere (Deutschland, Italien, Spanien usw.) nicht schon lange vorher die Negativmuster bereits geliefert hätten …. Beispiel: Schöne Bucht, feiner Strand, offenbar ein netter Urlaubsort, alles schon vorhanden. Und zum guten Schluss darf irgendwer einen hässlichen, vielstöckigen und breiten Hotelklotz mitten vor die existente Infrastruktur klatschen, gutes Geld machen und den Rest versauen. Schade.

Irgendwann will’s Carin (immer noch Der Name für alle Navis) von uns wissen und führt uns wieder mal „durchs Gelände“…. Dabei weiß sie genau, wie lang und breit und hoch ihr Chauffeur Klaus ist. Nutzt aber nix, wenn das zur Verfügung stehende Kartenmaterial keine entsprechenden Informationen mitliefert. Und das macht es hier nicht. Wenigstens liefern wir mitten in einem alten Ortskern allen Umstehenden genügend Gesprächsstoff, wie das wohl hier jetzt für uns an der engen 180°-Kehre weitergehen könnte. Nach einer langen Fahrt über schmale Straßen durchs montenegrinische Mittelgebirge kommen wir irgendwann wieder auf eine Transversale, die besser schon vorher unser Weg gewesen wäre, trotz doppelter Strecke. Albanien ist gar nicht mehr fern, aber wir übernachten lieber noch in Montenegro. Auf dem Reserveparkplatz eines neuen Einkaufszentrums mitten in der Landschaft (wirklich: es ist kein größerer Ort weit und breit!) finden wir einen guten Übernachtungsplatz – sogar mit Gratis-Musik bis tief in die Nacht vom nahen Supermarkt-Café.