Archiv der Kategorie: Frankreich

Tag 225: Wanderung zur Pont d’Arc

B: Das Wetter ist seit gestern gut, die Sonne scheint, die Temperaturen sind angenehm, gerade so, wie wir es für unsere geplante Wanderung zur Pont d’Arc brauchen. Wanderung ist vielleicht fast übertrieben, es ist mehr ein Spaziergang, denn weit ist sie nicht weg, diese natürliche Brücke aus Stein. Wir müssen nur über den einen Hügel drüber kommen und ein Stück an der Straße entlang gehen, dann sind wir schon da. Zunächst laufen wir an einer Wiese entlang, auf der ein freundliches Pferd steht, kein Wunder (das mit dem freundlich), es lebt hier ja auch im Paradies. Dann geht es bergauf – der schmale Pfad windet sich zwischen Büschen und Bäumen hindurch, Blumen stehen am Wegesrand. Hier ist es so friedlich und schön, dass man gern noch länger bleiben möchte, als der Weg einen führen kann. Er endet an der Straße und obwohl wir versuchen, uns schon vorher auf der anderen Straßenseite wieder in die Büsche zu schlagen, gelingt es uns nicht. Der Hang ist zu steil und dann steht da bald ein Zaun, der ein Holidayresort der gehobenen Klasse zur Straße hin abgrenzt. Na gut, so lang geht’s dann auch nicht mehr an der Straße entlang, bis wir auf den Parkplatz kommen, von dem aus ein Weg bequem zum Ufer der Ardèche führt. Hier gibt es so etwas wie einen kleinen Strand und die Pont d’Arc ist ganz nah. Wir hatten sie uns größer vorgestellt, so im echten Leben, aber so oder so ist sie eine kleine Sensation! Außer uns sind noch ein paar Leute hier, die picknicken, herumsitzen oder fotografieren, aber dafür, dass so eine Werbung auf zig Bildern für die Brücke gemacht wird, ist der Platz angenehm gefüllt. Im Sommer wird das anders aussehen! Wir bleiben noch eine Weile, dann gehen wir zurück, diesmal mit dem Versuch uns am Ufer entlang durchzuschlagen, der nur halb gelingt, irgendwann müssen wir doch wieder hoch auf die Straße, aber einen Versuch war es wert 🙂

M: Ja, die Pont d’Arc war für uns vielleicht nicht sooo spektakulär, wie der ganze Hype um diesen großen Felsdurchbruch verspricht. Aber wir sind ja auch schon längst sensationsverwöhnt. Wunderschön ist es auf jeden Fall, am Ufer der Ardèche entlangzugehen, die zur Zeit einen recht hohen Wasserstand hat und an manchen Stellen heftig um die Felsen im Fluss tobt. Vorfreude auf unsere Kajakfahrt stellt sich ein:) 

Tag 223: Regen, Regen, Regen

B: Es regnet praktisch den ganzen Tag. Das ist ein guter Tag, um nichts zu tun, außer ein bisschen zu lesen und zu schreiben! Bloß ohne WLAN ist das nicht so einfach mit dem Schreiben. Also entscheiden wir uns, den Klaus umzuparken, näher hin zur Rezeption. Durch den Dauerregen sind aber diese schönen Wiesenplätze so durchnässt, dass der Camper völlig in der weichen Erde versackt, als Martin ihn auf dem neuen Platz ordentlich platzieren möchte. Der Chef des Hauses kommt dann auch schon mit 3 Helfern eiligst herbeigelaufen. Es wird geschoben und gedrückt, mit Sand, Hölzern und Metallplatten wird nachgeholfen, der Matsch spritzt auf das ein oder andere T-Shirt, bis der Klaus halbwegs anständig dasteht. Großes Danke an das ganze Team! Jetzt klappt das auch mit dem Internet 🙂

M: Hier zeigt sich wieder mal, wie vorteilhaft es ist, überall „das eigene“ Internet mitzuschleifen. Wenn’s denn funktionieren würde …. Bereits 2 Tage vorher habe ich beim Einkauf in der großen Stadt Guthaben für unseren französischen UMTS-Zugang eingekauft – aber Pustekuchen! Es stellt sich heraus, dass Guthaben bei dem großen Provider SFR nicht gleich Guthaben ist….. zwar habe ich ausdrücklich Guthaben für reinen Internet-Zugang per UMTS-Stick verlangt, aber in der Praxis galt dann der gekaufte Code nur für die Aufladung von Handys. Im Stick am Notebook hat sich der Code als unpassend erklärt. Das zieht jetzt eine längere Odysee nach sich, derweil quälen wir uns halt mit dem langsamen (und nicht mehr billigem) Internet am Platz rum. Mehr davon morgen und an Tag 229 – „L’Internet“.   Und an Tag 230 …         

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Tag 222: Caverne du Pont d’Arc

B: Gestern hat sich Martin noch um Eintrittskarten für die Caverne du Pont d’Arc gekümmert, denn die kann man im Internet käuflich erwerben (also die Eintrittskarten) und ausdrucken. Dann muss man hoffentlich nirgendwo mehr anstehen, wenn man das Ganze besichtigen möchte. Überhaupt ist das ja eine klasse Idee (natürlich von Martin): Heute hat diese mit viel Aufwand künstlich nachgebildete Höhle erst den 2. Tag geöffnet und wir sind dabei! Ob sie am ersten Sonntag ihrer Eröffnung völlig überfüllt sein wird, wird sich zeigen.

Das Original heißt Chauvet-Höhle. Dort dürfen Normalsterbliche aber leider nicht hinein, sie bleibt den Wissenschaftlern vorbehalten. Um diese außergewöhnlichen Wandmalereien, die irgendwann vor ca. 22.000 bis 35.000 Jahren vor unserer Zeit entstanden sein sollen (die Experten sind sich da nicht ganz einig), aber der breiten Masse zugänglich machen zu können, hat man also diese einmalige Höhle detailgetreu nachgebaut. Die Bilder an den Wänden haben Künstler mit Materialien aus dieser vergangenen Zeit nachgemalt und dabei, wie wir jetzt wissen, eine Menge Geduld, Schweiß und Tränen aufgebracht. 

Es ist erstaunlicherweise gar nicht sehr voll, und das, obwohl doch auch das Wetter sehr dafür spricht, sich für heute eine Drinnen-Aktivität zu suchen. In die Höhle darf man nur mit einer geführten Gruppe. Wer kein Französisch versteht, bekommt einen Audioguide. Zu einer exakten Uhrzeit, die wir im Internet aussuchen konnten, beginnt die Führung. Das mit dem Audioguide klappt mal mehr mal weniger gut. Manchmal erzählt der Erzähler auch etwas über eine Malerei an einer anderen Stelle, dann werde ich ratlos und schaue mich hektisch um, ob ich ein Bild an den nur minimal beleuchteten Wänden nicht gefunden habe. Dafür spricht der Erzähler in ausgesprochen poetischen Worten. Naja, zum Schluss bekommen wir dann doch alles zusammen, schließlich kann dieser Guide sich auch wiederholen. Die Malereien sind beeindruckend bis wow. Kaum zu glauben, dass Menschen vor so vielen Jahren ein solches Gespür für künstlerische Darstellung hatten. Fotos durften wir nicht machen und diesmal hat sich Martin (ganz im Vergleich zu Anderen in der Gruppe) auch daran gehalten. Mal einen Blick auf die Internetseite der Höhle zu werfen, lohnt sich.

Nach der Besichtigung suchen wir uns zwischen all den Campingplätzen mit direktem Ardèche-Zugang den Camping Mondial aus. Die Campingplätze sind alle zwischen Fluss und Straße gelegen und haben dadurch diese handtuchschmale Form. Wir stellen uns Richtung Fluss, mit der Folge, dass wir kein WLAN haben, das reicht meist nicht sehr weit von der Rezeption aus betrachtet.

M: Die neue, sensationelle Caverne du Pont d’Arc: Leider keine Fotos aus der Höhle, weil verboten und ohne gescheite Foto-Ausleuchtung auch eher sinnlos, daher bitte hier gucken:  http://de.cavernedupontdarc.fr/

Und hier sind die Kulissenbauten zu finden.

Und hier gibt’s die Informationen zum Original, der Chauvet-Höhle.
Diese gehört -natürlich- zum UNESCO-Welterbe.

Heute, als wir dort waren, war es tatsächlich recht ruhig. Später, nachdem wir unseren strikt geführten Gang durch die Höhle schon absolviert hatten, wurde es dann im Besucher-Empfangszentrum doch drängelig. Die meist jungen Guides waren freundlich, aber noch nicht wirklich vernünftig organisiert.  Es war erst der zweite Tag nach der offiziellen Eröffnung der Höhle – so ein bisschen im Versuchskaninchen-Status (oh-Besucher mit Femdsprache!) fühlten wir uns durchaus;) Egal, es war toll und unbedingt sehenswert! Auch wenn unser Audio-Guide, die französische Echt-Guide (wie sagt man das richtig?) und alle in von uns bestaunten Multimedia-Spektakeln  interviewten Fachleuten immer nur in Superlativen schwelgten, was die hohe Kunst der in der Original-Höhle entdeckten Wandmalereien anbelangt („dort waren schon alle Kunstrichtungen vertreten und perfekt ausgebildet“) – und das ein wenig nervte, war es doch auch für uns Laien absolut erstaunlich, was die Menschen vor 30.000 Jahren da zustande brachten – genial!

Schaut selbst – Bilder aus der Höhle: http://de.cavernedupontdarc.fr/entdecken-sie-die-caverne-du-pont-darc/

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Tag 220: Marseille ist hässlich

B: Eigentlich wäre ich heute schlapp genug, um mir keine neuen Eindrücke anzutun, aber wie es halt so ist: Jetzt sind wir hier und haben noch lange nicht alles von Marseille gesehen. Martin schlägt den kürzesten der noch möglichen Stadtspaziergänge vor. Wir fahren wieder mit der Holda in die Stadt, parken aber diesmal an einer relativ großen Straße, von wo aus es durch verschiedene Straßen Marseilles gehen soll. Als wir starten, gehe ich noch davon aus, dass uns gleich schöne Häuser, Straßen und besondere Bauwerke begegnen werden, aber das Gegenteil ist der Fall. Nichts wird schöner! Auf mich wirken die Straßen trostlos, in den Geschäften hier wird seltsamer Ramsch verkauft, die Atmosphäre ist drückend. Menschen mit starren, stumpfen Blicken begegnen uns, die Häuser sind runtergekommen, es stinkt an jeder Ecke. Die Menschen tun mir leid, natürlich ist das auch die Wahrheit, aber ich kann ihnen ja nicht helfen. Ziemlich frustriert bin ich und will hier nicht bleiben. Was uns dann aber auf unserem Weg in Richtung altem Hafen noch überraschend begegnet, ist ein kleiner Wochenmarkt. Hier haben die Menschen wenig Geld, entsprechend günstig werden die Sachen angeboten. Wir kaufen schönen Spargel, Kartoffeln, Erdbeeren, alles eben, was der Frühling so bringt. Das versöhnt mich wieder etwas: hier werden keine genormten Äpfel in Reih und Glied ausgelegt, hier werden ganz ehrlich Obst und Gemüse verkauft.

M: Recht mutig von der Tourist-Verwaltung in Marseille, den obligatorischen Stadt-Erkundungsplan auch mit einer Erforschungstour auszustatten, die zwar ganz klar eine eben auch vorhandene Seite der Stadt zeigt, aber Touristen i.d.R. eher verstören dürfte. Sie führt durch Straßen, die sonst kaum im touristischen Fotogewitter erscheinen würden. Dabei fällt mir auf, dass ich dort auch keine Fotos gemacht habe – wohl, weil ich dauernd auf die schönen Ecken wartete, die nun doch endlich mal auftauchen müssten …. es ist uns beiden wohl erst später klargeworden, dass diese Tour mit mutiger Absicht so zusammengestellt wurde, anch dem Motto: Wir zeigen Euch mal die  Gentrifizierung unserer Stadt. Und so schauen wir uns enge Nebengassen an, die dominiert werden von Mode- und Schmuckläden und -Lädchen, die sich aber allesamt „Großhandel“ nennen! Keine Preisschilder und Verkauf nicht „en détail“, sondern nur „en gros“. Hier gibt es die Ware für die fliegenden Händler  und Souvenirshops – irgendwo muss das Zeug ja auch herkommen…  

Unseren üppigen Einkauf vom ehrlichen Wochenmarkt bekommen wir dann nur mit Mühe auf und in die die Holda gepackt. Uns beide irgendwie noch auf unserem japanischen Lastesel verstaut und dann geht es vollbepackt retour, vorbei noch am supermodernen Stade Velodrome von Marseille, dem größten Fußballstadion Frankreichs, wo heute ein Meisterschaftsspiel von Olympique Marseille stattfindet und die Fans schon reinströmen.