Archiv der Kategorie: Österreich & Schweiz

Tag 24: Chiavenna

B: Chiavenna – ein schöner kleiner Ort, durch den ein wilder Fluss fließt. Einige Häuser sind in den Fels gebaut, Grotten gibt es zu bewundern. Und das ganz Besondere ist ein botanischer Garten, der am Ende des Ortes auf einen gespaltenen Felsen gebaut wurde.  Zwischen vermoosten Steinen, verwildert und verwunschen liegt er da, bewacht von einem seltsamem jungen Mann, der uns die Eintrittskarten verkauft.

Am Abend fahren wir weiter nach Domaso, das an der Westseite des Comer Sees liegt. Die Einfahrt zum Campingplatz ist so schmal, dass wir sie erst nach einigem Hin- und Herfahren finden. Außer uns sind noch zwei Camper da, wir haben freie Wahl ganz nah am See zu stehen.

M: Der Ort liegt im Valchiavenna, hatte in vergangener Zeit eine wichtige Bedeutung als Schnittstelle zweier Alpenpässe und  eigentlich bemerken wir erst, als wir uns morgens an unserem kommunalen Stellplatz an einem verwitterten Schild orientieren, dass Chiavenna wohl auch uns was zu bieten hat (also guck-technisch). Da steht was von Altstadt – also hin. Zu Fuß. Vielleicht sollten wir doch unsere Etappen etwas sorgfältiger ausarbeiten;) Unser Timing ist jedenfalls wie immer grandios – es ist Mittag und die Stadt annähernd menschenleer. Gut, dann sieht man auch eher was! Bis wir uns, nachdem wir dann später doch noch die Räder nachgeholt haben, bis zum Botanischen Garten vorgearbeitet haben, ist erstens dort bald Feierabend und zweitens im Ort wieder richtig Betrieb, so dass wir mit den Rädern wieder zur falschen Zeit unterwegs sind …. echte Spezialisten halt;)
Wie später nachgelesen, ist der Botanische Garten besonders im Frühjahr wunderschön – ach!

Dafür hat aber dann noch jemand einen dramatischen Sonne-durch-Wolken-Strahl-Effekt in den Himmel über Chiavenna eingebaut und damit wahrscheinlich sein Wohlwollen darüber zum Ausdruck gebracht, dass der Ort eine Cittàslow ist und damit zu den Städten in Italien gehört, die sich die  Entschleunigung bereits seit 1999 auf die Fahnen geschrieben haben. Heute gibt es diese Städtchen weltweit.        Slow-X = Prima Sache, ganz unser Ding:)

 

Tag 23: Splügen – hinein ins Abenteuer

B+M: Nachdem wir heute in der Viamalaschlucht bereits reichlich Ah’s und Oh’s produziert haben, geht’s weiter in die Berge hinein. Nächster Halt: Splügen. Im alten Graubündner Bergdorf an historisch wichtiger Schnittstelle scheint die Zeit vor ca. 50-100 Jahren stehen geblieben zu sein. Obwohl wir den Ort bei grauen Nieselregen anschauen, sind wir beide ganz und gar angetan. Hier wollen wir irgendwann später einmal als mehrtägige Tour über die Alpen die Via Spluga erwandern – wer kommt mit?

Danach müssen wir uns entscheiden, ob wir den bequemen Weg über den San Bernardino Tunnel wählen (fad wie Autobahn) oder das Abenteuer: Über den kehrenreichen Splügenpass – Passo della Spluega, 2113m. Die Wahl fällt -na klar- auf das Abenteuer. Das wird es dann auch, allerdings mehr für einen Reisebus, der uns von oben entgegenkommt, als für uns. Wir dürfen vom Klaus aus still und geduldig in einer kleinen Nische am Straßenrand Zuschauer sein – bei dem spektakulären Ringen des Fahrers mit jeder einzelnen der 15 engen Kehren der Kehrengruppe direkt vor der Passhöhe. Und wenn nicht vom Tal kommend frohgemut ein routinierter Fahrer eines Linienbusses von Splügen nach Chiavenna (was für ein Traumjob!) gesten- und wortreich zu Hilfe geeilt wäre, dann würden wir wohl jetzt noch dort warten. Den verpeilten Reisebusfahrer hat es dann die ein und andere Seitenbeplankung seines Busses gekostet, aber er ist wenigstens wieder im Tal angekommen- Mensch und Maschine leicht lädiert:)

Nach diesem Intermezzo geht’s weiter – wie Mondlandschaften tun sich die Hänge vor uns auf, beiderseits des Passes, dessen Plateau im dichten Nebel liegt. Bald nach der Passhöhe taucht  bei 1900m Höhe aus dem Nebel der Ort Montespluga auf. Irgendwie unwirklich: Leben auf dem Mond! 

Wir wundern uns, merken aber bei der weiteren Fahrt, dass es (anscheinend inzwischen wieder) Menschen in diese karge Höhe und Einsamkeit zieht. Überall werden neue Häuser gebaut – vielleicht sollten wir genau jetzt investieren …  

Auf einer spektakulären Talfahrt geht es nun 30km abwärts, wobei die Südrampe der Passstraße 1800 Höhenmeter vernichtet und uns schlussendlich im italienischen Val San Giacomo ankommen lässt. Hier, in der Lombardei, ist unser Tagesziel der Ort Chiavenna. Kaum vorstellbar, aber wahr: Manche von uns verschlafen die wilde und schöne Abfahrt …

Der Ort Splügen (und weiter unten der Splügenpass):

 

Splügenpass:

 

 

Tag 23: Viamala – „der böse Weg“

B: Langsam bessert sich die Migräne. Heute schauen wir uns die Viamalaschlucht an (wenigstens die 🙂 ). Was für ein dramatischer Ort, beeindruckend v.a. die Geschichten über Ereignisse, die dort in den letzten Jahrhunderten stattgefunden haben sollen, auf Tafeln nachlesbar. Was haben wir es heute so bequem, wenn wir die Alpen überqueren wollen.

M: Immer schön zwischen den hohen Felsen durchfahren……. nun muss die weltbekannte Viamalaschlucht doch endlich mal auftauchen. Dann rechts ein paar wenige Parkplätze, ein kleines Hinweisschild „Für Besucher der Schlucht, maximale Parkdauer 1 Stunde“. Ähm, sind wir Japaner? Wir wollten das Weltereignis doch gebührend und ohne Stress bestaunen? Aber der auf meine Frage („nur eine Stunde?“) sichtlich befremdete Mensch im an den Fels geklebten Betonbau ( = Besucherzentrum) erklärt uns, dass das auf jeden Fall ausreicht. Nun denn. 6 EU/Nase zahlen und auf geht’s: Treppen absteigen. Viele. Unten angekommen, ist alles grandios. Es tobt und rauscht, strömt und fließt, entfaltet selbst an diesem trüben Tag Farben, die zu schön sind, um wahr zu sein und zwängt sich durch Felsen, eng und immer enger, dramatisch! Und dann noch die ganzen Gruselgeschichten aus alten Zeiten – wahrhaftig ein schaurig schöner Ort!

Fotomotive ohne Ende – deshalb hier nur die Viamalaschlucht und dann noch ein zweiter Beitrag für heute, der uns im nächsten Abenteuer über den Splügenpass nach Italien führt.

 

 

 

 

Tag 22: Bad Ragaz & Taminaschlucht

B: Früh morgens in Chur donnern die Laster des nahen Kieswerks an unserem Klaus vorbei. Das war’s dann mit Schlafen. Martin würde so gerne die Taminaschlucht bei Bad Ragaz sehen, also fahren wir ein Stück auf unserer Strecke zurück. Das Navi will uns Straßen fahren lassen, die nicht befahrbar sind, jedenfalls nicht für unseren Klaus. So irren wir eine Weile durch die Gegend, bis klar ist, dass die Schlucht nur zu Fuß oder mit öffentlichem Bus erreichbar ist.

Mir geht es nicht gut genug, um die Strecke zu Fuß auf mich zu nehmen. Ich habe Migräne und das den ganzen Tag. Für den Bus sind wir dann zu spät dran, also sehen wir nur den Eingang zur Schlucht, bis dorthin machen wir von dem großen Parkplatz aus, auf dem wir den Klaus abgestellt haben, einen Spaziergang. Immerhin finden wir noch ein schönes Käsefachgeschäft (das können sie wirklich die Schweizer!) mit Fondueautomaten (!!) vor der Tür.

Danach geht es weiter nach Thusis. In einem Kiefernwald liegt ein sehr gepflegter neuer Campingplatz. Hier herrscht himmlische Ruhe im Vergleich zu unserem letzten Stellplatz. Die sanitären Anlagen sind so sauber und warm, dass ich mich hier glatt eine Weile einrichten könnte.

M: Heute wieder Berge & Täler im herrlich schönen „Heidiland“, exklusives Bad Ragaz und dort toller Käse aus der „Milchzentrale„!
Kleiner Wermutstropfen von Camping Thusis: Der „Quickstop“ (Ankommen abends nach 20 Uhr und Abfahrt morgens vor 10 Uhr – eh nicht unsere Uhrzeit) kostet gleich mal paarundzwanzig Euro …. die Schweiz eben …. 

U
nverständlich für uns ist, warum auch hier -auf diesem schönen neuen kommunalen Platz- aktiv für „Dauercamper“ geworben wird. Denjenigen von uns, die (wie wir bis vor kurzem) mit Campingplätzen bisher nicht viel am Hut hatten, sei gesagt, dass Dauercamping-Parzellen und -plätze sich nach unserer bisherigen Erfahrungsansammlung i.d.R. durch außergewöhnliche Schruddeligkeit „auszeichnen“ und bei einem Platz wie Thusis könnten auch die stetigen Einnahmen durch Dauercamper sich als Milchmädchenrechnung herausstellen. Aber gut, wegen was machen wir uns da ’nen Kopf….